Warum wir den Beckenboden nicht mit Kugeln oder Konen trainieren

 

 

 

 

Wer kennt sie nicht, die Konen oder Kugeln, die angeblich den Beckenboden so toll trainieren?

Wahrscheinlich stolpert jede Frau, die geboren hat, früher oder später über diese Werbung oder spricht mit einer anderen Mama im Kurs darüber.

In jedem einzelnen Rückbildungskurs kommt das Thema auf.

Es gibt sie in verschiedenen Gewichten und sie sehen ein bißchen aus wie Tampons und werden auch so eingeführt.

Bringen die was, soll ich mir die kaufen?

Ich hab sie mir gekauft, kann es sein, dass mein Beckenboden seit dem schlimmer wird?

Jaja, es kann.

 

Die Anweisung geht so: "Zum Training wird eine Kone vaginal eingeführt und zweimal täglich 10 Minuten getragen." 

Bei manchen Anbietern steht sogar 15 Minuten.

Dann gibt's meistens auch noch zusätzlich zum "einfach 15 Minuten lang tragen" ein Übungsprogramm mit Übungen, bei denen man die Konen so, so oder so einführt und dies oder das machen soll.

Das alles soll man 6-8 Wochen täglich machen.

 

"Trainiere wie ein Gewichtheber" hab ich auch irgendwo in einer Beschreibung gelesen.

 

Die allerlustigste Anweisung ist eigentlich "Starten Sie mit dem Gewicht, das Sie gerade noch halten können".

Wie viele Wiederholungen, denkt ihr, würden wohl die Arme schaffen, wenn sie aus der Rückenlage heraus, Gewichte gegen die Schwerkraft hoch stemmen sollten, die sie "gerade noch halten können"? 

Gewichte, die ich gerade noch halten kann, kann ich nun mal nicht wirklich halten.

Stell dir vor, du schleppst 10 große Servierteller, die so schwer sind, dass du sie gerade noch halten kannst, mit dir herum. Das machst du dann 15 Minuten lang und danach mußt du noch deine Übungen mit den Tellern machen. Scherben bringen Glück? Fraglich. Wenn man das täglich macht, hat man ganz schnell kein Geschirr mehr.

Mit solchen Vorgehensweisen baue ich keine Mehr-Spannung oder Kraft auf, damit fördere ich den Zusammenbruch. Und funktionell ist das allemal nicht.

Sehr komische Denkweise, oder? 

 

 

 

 

Als Warnhinweis steht dann da auch noch: "Bitte konsultieren Sie Ihren Arzt, wenn Ihre Symptome schlimmer  werden und nach 6-8 Wochen täglichem Training nicht besser werden"

Mir sträuben sich die Haare.

 

Wenn man das mal alles zusammenrechnet an Zeit, die der arme Beckenboden da anspannen soll, kann einem ganz schön Angst und Bange werden.

"Tun Sie dies und nach 1-2 Wochen geht es ihrem Beckenboden schon besser".

 

Falsch!

Ganz falsch!

Tun Sie dies und riskieren Sie einen Beckenboden, der völlig im Eimer ist, weil er nicht mehr kann.

Da kann Ihnen auch Ihr Arzt nicht weiter helfen, würde ich da mal sagen.

 

Außerdem gibt es auch so ein Symptom, das "Hyperaktiver Beckenboden" genannt wird.

Das heißt, der Beckenboden ist sehr verspannt oder verkrampft. Und auch das kann zu ganz anderen Syndromen führen, wie z.B. einer "interstitiellen Zystitis". Das ist im Prinzip eine Blasenentzündung ohne Blasenentzündung. 

Es gibt verschiedene Ursachen, warum ein ständiger Harndrang vorhanden sein kann oder warum die Blase dauernd gereizt ist. Manchmal weiß man aber auch gar nicht, wo es her kommt. 

Eine Möglichkeit der Ursache ist aber, dass durch den hohen Tonus, sprich Spannung, der Beckenbodenmuskulatur, ein ständiger Reiz und Druck auf die Harnröhre ausgeübt wird, der einem das Gefühl gibt, man müßte ständig auf die Toilette. Es liegt also nicht immer nur an einem schwachen Beckenboden.

Und eine zu hohe Spannung der Beckenbodenmuskulatur kann auch Schmerzen beim Sex verursachen.

In diesem Fall brauchen wir sicher keine Daueranspannung üben.

Da braucht der Beckenboden unbedingt Entspannung und Dehnung.

Aber egal, ob zu hohe oder zu wenig Spannung im Beckenboden ist, es ist in beiden Fällen eine Dysfunktion, die speziellere Beachtung braucht.

 

Was die Konen anleiten wollen, ist genau so eine Daueranspannung des Beckenbodens.

Durch das Anspannen soll verhindert werden, dass die Konen wieder heraus rutschen.

Nur ist der Beckenboden für eine Daueranspannung in dem Maße gar nicht gemacht und gedacht.

Also sind das schon mal ganz falsche Vorstellungen, die die Erfinder dieser Dinger haben. Sprich, sie haben einfach keine Ahnung.

 

Die allerlustigste Anweisung ist eigentlich "Starten Sie mit dem Gewicht, das Sie gerade noch halten können".

Wie viele Wiederholungen, denkt ihr, würden wohl die Arme schaffen, wenn sie aus der Rückenlage heraus, Gewichte gegen die Schwerkraft hoch stemmen sollten, die sie "gerade noch halten können"? 

Gewichte, die ich gerade noch halten kann, kann ich nun mal nicht wirklich halten. Damit baue ich keine Mehr-Spannung oder Kraft auf, damit fördere ich den Zusammenbruch. Und funktionell ist das allemal nicht.

Sehr komische Denkweise, oder?

 

Eine Daueranspannung im Beckenboden löst nachfolgend eine Ermüdungsreaktion aus.

Das heißt beim Herausnehmen der Konen nach dem "Training", ist der Beckenboden nicht etwa "besser", im Gegenteil, er neigt dazu noch schlapper zu werden und sich noch mehr abzusenken.

So ein übertriebenes Anspannen, mit viel zu viel Kraftaufwand, führt zum genauen Gegenteil wie gedacht. Einfach aus dem Grund, weil der Beckenboden weder dauerhaft anspannen soll, noch soll er sich dauerhaft "überanspannen". Die Muskelfasern des Beckenbodens funktionieren so nicht.

Mit einem solchen Konentraining wird keine Muskelspannung aufgebaut, es wird keine "normale" Muskelspannung hergestellt und als Reaktion auf das Training wird der Beckenboden meistens hypoton, das heißt er wird noch schwächer als vorher.

 

Das sind leider keine Märchen oder theoretische Überlegungen. Ich hatte schon diverse Patientinnen, die mir das genau so erzählt haben. Das selbe gilt für jegliches andere Beckenbodentraining.

Das sollte schon koordiniert sein und nicht einfach willkürlich gemacht werden mit unzähligen Wiederholungen ohne Plan.

Und in jedem Rückbildungskurs ist mindestens eine Teilnehmerin dabei, die übereifrig ist und bei Youtube wild alles beturnt, was sie findet. Und jedesmal werden Symptome entweder schlimmer oder sie entstehen dadurch überhaupt erst.

 

Und das gilt auch für übertriebenes Bauchmuskeltraining nach der Geburt und sogar bei zu viel und zu heftigem Anspannen der tiefen Bauchmuskulatur. Natürlich soll man das alles trainieren, aber wie immer ist, zu viel des Guten eben nicht gut. Auch hier hatte ich schon Patientinnen, die sich durch den dauerhaften Druck von oben durch das viele Training, in eine Senkung hinein trainiert haben.

Alles nicht so einfach.

 

Beckenbodentraining geht anders und es bedarf einer ganzen Ausbildung, um sich Beckenbodentherapeut nennen zu dürfen. Und es bedarf einer genauen Untersuchung des Beckenbodens, wenn eh schon Probleme da sind.

Zu wenig Spannung, zu viel Spannung, einseitig zu viel oder zu wenig Spannung, verdrehtes Iliosacralgelenk, Narben, Nervenverletzung und was noch alles möglich ist, warum der Beckenboden nicht macht, was er soll. Da sollte dann schon mal jemand nachkucken, der sich auskennt.

 

Wenn man Beckenbodentraining prophylaktisch machen möchte, weil "das kann ja nicht schaden", ist die Gefahr auch immer groß, dass man viel zu viel macht, was überhaupt nicht nötig ist. Und am Ende hat man vielleicht mehr Probleme als vorher.

 

Die Beckenbodenmuskeln müssen ganz speziell gepflegt werden. Sie tragen, wie die Füße, das ganze Gewicht von oben bzw. innen.

Und als kleiner Tipp nebenbei, manchmal hilft es auch einfach die Verdauung in den Griff zu bekommen, damit der Beckenboden besser funktioniert. Da braucht es keine Konen oder Hilfsmittel.

Verstopfungen, viel und heftiges Pressen beim Stuhlgang, Dauerblähungen und all das, ist nicht gerade förderlich für den Beckenboden. 

 

 

Der Beckenboden braucht sehr lange, um sich nach einer Geburt zu erholen, wie auch die nachfolgende Studie zeigt. Das ist bei einer vaginalen Geburt natürlich noch mal deutlich länger als nach einem Kaiserschnitt. Aber auch bei Kaiserschnitten ist der Beckenboden durch das Gewicht, das die ganze Zeit auf dem Beckenboden lastet, die generelle Dehnung im Inneren, die Verschiebung der Organe und die Überdehnung des Bauches, noch lange nicht komplett außer Gefahr.

Und ich sage ja eh immer, dass Rückbildung 2-3 Jahre dauert.

Hier aber noch mal schwarz auf weiß:

 

" A significant reduction in pelvic organ decent and hiatal area was noted over a mean of 2,7 years after a first birth".

Was so viel heißt wie, dass sich erst nach durchschnittlich 2,7 Jahren nach einer (ersten) Geburt die Beckenorgane und der Beckenboden so weit stabilisiert haben, dass Senkungen nicht mehr so häufig sind, wie gleich nach der Geburt.

Und hier steht "significant". Das ist wichtig.

Das sagt uns erstens, dass es eine große Zahl an Senkungen nach Geburten gibt. Und zweitens, dass es super lange dauert, bis die Gefahr vorbei ist.

Als Ergänzung würde ich noch hinzufügen, dass für Frauen die Gefahr immer besteht, sobald sie schwer heben und tragen. Dafür sind wir nicht gemacht, dafür haben wir die Muskulatur "untenrum" nicht. Männer haben einen ganz anderen Aufbau und viel mehr Muskeln im Beckenboden. Die sind da viel stabiler und haben eine ganz andere Beckenform, die eine ganz andere Kraft- und Hebelverteilung bedeutet. Die können ganz anders mit Gewichten umgehen als wir.

 

 

 

 

Was ich damit sagen will ist, dass das Gras nicht schneller wächst, wenn man daran zieht. Man muß es pflegen, regelmäßig gießen, aber auch nicht so überwässern, das es eingeht. Es braucht Dünger, aber auch nicht so viel davon, dass es es an der Keule erstickt.

 

Also spart euch euer Geld mit Hilfsmitteln und geht im Zweifel lieber zu einer Beckenbodentherapeutin.

 


Hi, ich bin die Nicole. Ich bin seit 25 Jahren Physiotherapeutin und hab viele Jahre auf der Wochenstation und auf der gynäkologischen Station in der Frauenklinik gearbeitet. Von mir bekommst Du Informationen zum "Thema" aus erster Hand. 

Rückbildung vom ersten Tag an, im Rückbildungskurs, in der Praxis mit Patienten und leider auch oft die Spätfolgen von Beckenbodenschwächen (und was es sonst noch alles geben kann)  in der operativen Gynäkologie, kenne ich in und auswendig. 

Bei mir bist Du richtig, wenn Du reale medizinische Informationen zum Thema Rückbildung und Frauengesundheit suchst. Mehr über mich findest Du hier.


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