Warum wir nicht joggen nach Geburt und Schwangerschaft

Ungefähres Transkript des Videos mit einigen zusätzlichen Ausführungen:

 

Heute erkläre ich euch, warum wir nach der Geburt nicht joggen gehen.

Es ist ganz wichtig, dass ihr nicht joggen geht. Und zwar aus folgenden Gründen.

Die Gebärmutter ist nach der Geburt relativ schnell wieder so klein wie sie vorher war. Das dauert ungefähr zwei Wochen, dann ist sie wieder unten und man spürt sie kaum noch.

Was allerdings nicht so schnell wieder so klein wie am Anfang und wie vorher ist, sind die Haltebänder der Gebärmutter.  

Die Gebärmutter ist ja im Becken aufgehängt an einigen Haltebändern. Und diese Haltebänder werden in der Schwangerschaft genauso groß wie die Gebärmutter.

Das Baby wächst und wächst, die Gebärmutter wächst und wird vielleicht 30 cm groß. Genau so lang, oder fast so lang, werden auch diese Haltebänder. Die müssen ja mitwachsen.

 

Hier auf dem Bild sieht man wahnsinnig gut, wie lang diese Bänder werden.

Es ist ja nicht nur das eine Band da vorne, es sind ja noch mehr Bänder, die hinten am Kreuzbein befestigt sind.

 

 

 

 

 

Wenn dann die Gebärmutter wieder klein ist, sind die Bänder noch für eine recht lange Zeit nicht wieder so klein, wie sie vorher waren. Die Bänder schrumpfen nicht so schnell wieder auf ihre normale Größe zurück, wie die Gebärmutter.

Wir haben dann also die kleine Gebärmutter im Becken, haben aber dazu die langen Bänder.

Wenn ich jetzt joggen gehe, und hab diese kleine Gebärmutter, die ohne Halt im Becken liegt, und ich jogge, hüpft sie einfach die ganze Zeit auf und ab.

Sie wackelt und doppst im Inneren hin und her und auf und ab.

Das passiert auch beim Trampolin springen, beim Reiten, also beim Traben und beim Galoppieren. Es gibt viele Reiterinnen unter euch, das weiß ich. Reiten ist zwar gut für den Beckenboden, aber nicht so früh am Anfang.

Ich hab dann diese kleine Gebärmutter und die langen Bänder, die Monate und Monate brauchen, bis sie wieder genauso klein sind wie vorher, und ich hab dann ständig diese Wackelei. Das ist einfach nicht gut für die Gebärmutter und die Halterung an sich.

Die Gefahr ist einfach groß, dass die Gebärmutter völlig unkontrolliert und ungeschützt im Bauch hin und her doppst. Und das kann auf Dauer zu Senkungen führen, weil dieser Halt erst gar nicht wieder hergestellt werden kann und weil keine Zeit gegeben wird, damit das Ganze wieder richtig heilt.

Das selbe gilt für den Beckenboden.

Ich geh rennen und hab die ganze Zeit auf dem weichen Beckenboden diesen Druck von oben.

Auch der Beckenboden doppst auf und ab beim Rennen.

Jede Erschütterung muß er abfangen.

Zusätzlich habe ich die weichen Bänder und Gelenke im restlichen Körper, die durch die Hormone auch noch ein ganzes Weilchen weich bleiben werden. Die können die Erschütterungen auch nicht abfangen. 

 

Relativ schnell wird die Muskulatur beim Rennen müde. Das ist aber bei "normalen" Menschen genau so. Wer joggt braucht gute Muskulatur, damit die Gelenke nicht geschädigt werden.

Ich kann nicht joggen gehen, wenn ich keinen guten Quadrizeps und keine gute Po Muskulatur habe.

Ruck zuck rennt man nach 10 Minuten, oder nach einer viertel Stunde, auf dem Knorpel rum, wenn das nicht durch die Muskulatur gehalten wird. Weil die Muskulatur wird als allererstes müde.

Wenn ich jetzt als frische Mutter joggen gehe, hab noch die Instabilität der Gebärmutter innen drin, hab den weichen Beckenboden und hab keine trainierten Beine, hab keinen trainierten Po, hab eine Haltung, die noch einer Schwangerschaft gleicht (Bauch nach vorne, Hohlkreuz, Kopf nach vorne, Schultern rund), dann ist das auf Dauer einfach fast prädestiniert in Schmerzen zu enden, oder in einer Senkung, oder in einer Beckenbodenschwäche, oder Knieschmerzen, Fußschmerzen, Rückenschmerzen. Was auch immer es geben kann.

 

Es ist, wie immer so, dass das schwächste Glied in der Kette dem Druck als erstes nachgibt.

 

Deswegen macht das bitte nicht im ersten Jahr.

 

Und, wenn ihr joggen gehen wollt, nach dem ersten Jahr, bitte trainiert erst die Beine auf und eure Haltung. Geht alle Dysfunktionen und Dysbalancen an, die ihr habt, damit euer Körper wieder im Lot ist, und damit ihr dann stabil joggen könnt. 

Auch der Rumpf muß stabil sein. 

 

Mit Joggen baut man keine Muskulatur auf. Das macht man anders.

Mit Joggen kann man die Ausdauer trainieren. Wenn man's kann.

Ich lege euch nah, das nicht zu machen, einfach aus gesundheitlichen Gründen und den Risikofaktoren, die ich euch gerade genannt habe.

Haltet euch einfach zurück. Macht was anderes.

Geht Fahrrad fahren oder geht auf den Stepper. Auf und ab ist gut für die Beine.

Oder lauft im Hausgang die Treppe 10x hoch und runter, wenn ihr euch auspowern wollt (ihr geht natürlich die Treppe hoch und runter), aber geht bitte nicht joggen.

 

 

 

 

 

 

Eure Gebärmutter und eure Beckenboden werden es euch danken auf die lange Sicht. Die sollen ja noch ein paar Jahre funktionieren.

Und nicht zu vergessen eine Rektusdiastase! Ein instabiler Rumpf ist genau so ein großer Risikofaktor wie alles andere, das ich gerade genannt habe.

 

Man kann von außen nicht sehen, ob innen alles stabil ist.

Auch, wenn der Bauch super aussieht, heißt das nicht, dass er innen stabil ist.

Auch, wenn keine Senkung, keine Beschwerden, keine Beckenbodenschwäche, keine Inkontinenz, keine Rektusdiastase oder sonstige Symptome vorliegen, wollen wir nicht, dass es irgendwann dazu kommt, nur weil wir uns nicht zusammenreißen können und einfach das machen, was wir denken, was ok wäre. In dieser Phase des Lebens sagt einem der Körper nämlich nicht immer genau, was wir brauchen. Vieles natürlich schon und dem sollte man auch unbedingt folgen, solange es ungefährlich für den Körper ist.

Dennoch, vieles sind Automatismen von "vorher", die natürlich da sind, auch wenn es jetzt gerade "nachher" ist.

Viel spielt sich oft nur im Kopf ab. "Ich muß mich auspowern", "Ich muß mich viel bewegen", "Ich war immer sportlich"," Ich brauch das", "Ich muß raus". 

Das mag ja alles sein. Wenn es aber fast zum Zwang und zur Obsession wird, sollte da vielleicht auch noch mal überdacht werden, wo es eigentlich her kommt.

Man kann sich auch anders auspowern oder Zeit für sich finden, in der man mal "draußen" oder "raus" ist.

 

Irgendwann wird es auch wieder gehen. Absolut!

Aber, wie gesagt, nicht ohne vorher stabil zu sein, und vor allem auch nicht, ohne genug Muskelkraft aufgebaut zu haben, so dass die Erschütterungen beim Joggen gut abgefangen werden können!

Joggen braucht Vorbereitung. Vor allem nach einer Geburt.

 

 

 

Wenn dich Rückbildung interessiert und du dich weiter informieren möchtest, klick auf das Bild.

 


Hi, ich bin die Nicole. Ich bin seit 25 Jahren Physiotherapeutin und hab viele Jahre auf der Wochenstation und auf der gynäkologischen Station in der Frauenklinik gearbeitet. Von mir bekommst Du Informationen zum "Thema" aus erster Hand. 

Rückbildung vom ersten Tag an, im Rückbildungskurs, in der Praxis mit Patienten und leider auch oft die Spätfolgen von Beckenbodenschwächen (und was es sonst noch alles geben kann)  in der operativen Gynäkologie, kenne ich in und auswendig. 

Bei mir bist Du richtig, wenn Du reale medizinische Informationen zum Thema Rückbildung und Frauengesundheit suchst. Mehr über mich findest Du hier.


Informiere dich auch hier weiter:


Kommentar schreiben

Kommentare: 0