Über den Sinn nach der Geburt einen Bauchgurt zu tragen

Immer wieder fragen mich frischgebackene Mütter, wie lange es dauert bis der Bauch weg ist und ob es hilft einen Bauchgurt oder ein Korsett zu tragen oder den Bauch zu binden.

Darauf gibt es zwei Antworten:

1. Um den Bauch möglichst schnell wieder "weg" zu bekommen, hilft ein Bauchgurt NICHT. Es macht auch keinen Sinn eine enge Korsage anzuziehen, die den Bauch einschnürt oder abdrückt. Das ist eher kontraproduktiv. Rückbildung braucht einfach Zeit.

 

2. Um dem Bauch und dem Körper in seiner neuen Instabilität mehr Halt zu geben und um Schmerzen zu lindern, hilft ein Bauchgurt sehr gut.

 

Es macht auf jeden Fall Sinn, sowohl in der Schwangerschaft als auch bis zu 6-8 Wochen danach, einen Bauchgurt zu tragen bei Schmerzen im Becken-Hüftbereich, bei Schmerzen im unteren Rücken, bei großer Muskelschwäche, bei ausgeprägter Rektusdiastase und bei dem Gefühl der Bauch fällt "unten raus".

(Für Symphysenlockerungen gibt es einen Spezialgurt, siehe unten)

Die Bauchmuskulatur kann in der Schwangerschaft und im Frühstadium nach der Geburt jede Unterstützung gebrauchen. Sie muss erst wieder sorgfältig und vorsichtig, die im Alltag benötigte Kraft, erlernen.

Was oft auch hilft ist ganz einfach einen Schal um den Bauch wickeln, hinten zusammen gebunden, damit der Bauch von vorne Halt hat. Oder eine Schwangerschafthose, die noch nicht ausgeweitet ist. Die erfüllt den selben Zweck.

In den ersten 6-8 Wochen sollte immer wieder versucht werden die tiefe Bauchmuskulatur anzuspannen. Der Muskel Transversus Abdominis ist unser eigener innerer Bauchgurt. Siehe Übung hier.

Ab 6-8 Wochen nach der Geburt kann und sollte ein Rückbildungskurs besucht werden, der die Muskulatur soweit wieder aufbaut, dass ein Gurt nicht mehr nötig ist.

In diesen ersten 6-8 Wochen ist ein Gurt, der wie folgt aussieht, super für die Stabilität.

Das ist eigentlich ein Schwangerschaftsgurt, aber der tut seine Dienste auch noch gerne danach.

Den gibt es im Idealfall auf Rezept und im Sanitätshaus. Beim Arzt nachfragen. Oder bei Amazon.

 

Im Gegensatz zu einem Bauchgürtel sitzt der Symphysengurt viel weiter unten auf dem Becken und hält so das Becken quasi zusammen

Um den Bauch schnell wieder "klein zu kriegen" helfen Korsagen oder den Bauch zu binden tatsächlich nicht.

Der natürliche Prozess der Rückbildung dauert einfach seine Zeit und das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.

Die Gebärmutter muss wieder so klein werden wie vor der Schwangerschaft, das Gewebe und die Überdehnung der Muskeln und Bänder müssen sich auch wieder zurückbilden. Das kann man mit einer Korsage nicht schneller "klein machen". Der normale Rückbildungsprozess kann bis zu einem Jahr dauern.

Sinnvoll ist es sich täglich mehrmals für 15 Minuten auf den Bauch zu legen und einfach zu liegen. Der Druck regt die Gebärmutter an sich zusammenzuziehen und ihre natürlichen Position (nach vorne gekippt) einzunehmen.

 

Um eine Rektusdiastase zu schließen, hilft ein Bauchgurt bzw. eine Korsage auch nicht. Die Muskulatur muß aktiv lernen wieder richtig zu arbeiten. Gurte sind passive Maßnahmen, die ihren Zweck zu ihrer Zeit erfüllen. Beim Muskelaufbau helfen sie nicht. Dazu braucht es professionelle Anleitung und Übungen. Und wie, schon gesagt, Zeit.

Zur Unterstützung und für Stabilität in der Anfangszeit in den ersten 8 Wochen ist ein Bauchgurt aber wunderbar. Auch um den Bauch mit den darin liegenden Organen zu schützen bei ausgeprägten Rektusdiastasen von mehr als 3 Fingerbreite.

Bei Rektusdiastasen unterhalb des Bauchnabels hilft ein Gurt wie oben auf dem Bild als Schutz.

Bei Rektusdiastasen oberhalb des Bauchnabels hilft ein größerer, höherer Bauchgurt oder ein Tape.

Durch den Druck und das Zusammenziehen wird den Muskelfasern die Richtung vorgegeben, in die sie wieder hin sollen und der Körper erhält eine gute Unterstützung in der Umstellungsphase nach der Geburt.

Nach dieser Zeit von 6-8 Wochen braucht es fachmännische Anleitung, damit die Muskulatur wieder aufgebaut werden kann und er sollte nur noch ab und zu getragen werden.

Bauchgurte nach Kaiserschnitt dürfen nicht zu fest und auch nicht dauerhaft auf die Narbe drücken, da dies zu Minderdurchblutung und Wundheilungsstörungen führen kann. Also Vorsicht hier.

 

 

 


Hi, ich bin die Nicole. Ich bin seit 25 Jahren Physiotherapeutin und hab viele Jahre auf der Wochenstation und auf der gynäkologischen Station in der Frauenklinik gearbeitet. Von mir bekommst Du Informationen zum "Thema" aus erster Hand. 

Rückbildung vom ersten Tag an, im Rückbildungskurs, in der Praxis mit Patienten und leider auch oft die Spätfolgen von Beckenbodenschwächen (und was es sonst noch alles geben kann)  in der operativen Gynäkologie, kenne ich in und auswendig. 

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