Warum Prävention nach der Geburt so wichtig ist

 

 

 

Was mich ja immer ganz verrückt macht, aber auch manchmal einfach nur schmunzeln läßt ist, wenn die Mädels relativ kurz nach der Geburt anfangen, mit mir darüber zu verhandeln, was sie an Sport tun können oder dürfen. Als ob es in meiner Macht stünde, am Wesen der Rückbildung etwas zu ändern :) 

Und meistens zieht sich genau das selbe Thema durch das ganze erste Jahr, immer wieder.

 

Nein, kein Fitness Studio, nein auch kein Bauchmuskeltraining, und nein, auch nicht Joggen.

Ja aber so ganz leichte Sachen im Studio vielleicht? 

Was ist denn leicht?

Wenig Gewichte vielleicht? Früher hab ich viel mit Hanteln trainiert.

Früher war auch anders.

Nur ein bißchen Joggen? Kurze Strecken?

Nee, gar nicht.

Aber ich bin sonst immer alle zwei Tage 10 km gerannt.

"Sonst" hattest Du auch keine Melone aus deiner Vagina rausgepresst.

Aber mein Bauch, der geht gar nicht weg. Ich will doch Sport machen. Ist doch schon 5 Monate her. Darf ich Planks bitte?

Nein, nein, nein! Die "Melone" ist keine Erkältung, die man nach zwei Wochen wieder los wird.

Aber Radfahren macht mir kein Spaß und gibt mir nicht das, was mir Joggen gibt......

 

 

Und so geht das IMMER :)

 

Ich möchte es heute in diesem Blog Post unbedingt noch einmal absichtlich genau mit den oben aufgeführten Sätzen aufschreiben. Es ist wichtig.

 

Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (zusammen mit der Österreichischen und der Schweizer) hat Leitlinien zu jedem Krankheitsbild.

Gleich in der Einleitung steht das sehr beunruhigende Statement "Genitalsenkungen der Frau sind häufig".

Das sollte uns schon aufrütteln.

 

 

 

 

 

 

 

Der folgende Auszug ist aus dem Buch "The Pelvic Girdle" von Physiotherapeutin, und Expertin auf dem Gebiet, Diane Lee.

Ich übersetzte das Wichtigste.

 

" 300.000 - 400.000 Amerikanische Frauen sind jährlich so schwer von Beckenbodendysfunktionen betroffen, dass sie eine Operation benötigen. Ungefähr 30% dieser OPs sind wiederholte OPs.

Das häufige Vorkommen dieses Problems zeigt, dass vorbeugende Maßnahmen nötig sind, und das häufige Vorkommen von wiederholten OPs zeigt, dass Behandlungen verbessert werden müssen.

Mit einer Präventionsrate von 25% könnten wir 90.000 Frauen davor bewahren eine Beckenbodendysfunktion zu bekommen. Mit einer 25%-igen Behandlungsverbesserung, könnten wir 30.000 Frauen vor einer zweiten OP bewahren." 

 

Die genauen Details, und noch viel mehr, sind in ihrem Buch zu finden.

 

Laut WHO sind es 30% an Frauen weltweit. Ich denke, die Zahlen lassen sich genauso auf Deutschland anwenden. Die Frauenkliniken sind ja voll. Das weiß ich eins zu eins aus meiner Arbeit.

 

Wer weiter nach Zahlen forschen möchte, kann hier schauen:

The International Continence Society: " Surgery For Pelvic Organ Prolaps"

NCBI: " Pelvic organ prolaps and stress urinary incontinence: A review of etiological factors"

Semantic Scholar: "Epidemiology of Urinary and Faecal Incontinence and Pelvic Organ Prolaps"

 

 

 

 

 

 

 

Nicht, dass wir das nicht gewußt hätte. Das ist schon seit Jahren bekannt.

Spätestens seit ich auf der operativen gynäkologischen Station gearbeitet habe und miterlebt habe WIE HÄUFIG Senkungs- OPs sind, auch bei jungen Frauen, bin ich da auf einer Mission.

Und ich bin mir auch fast sicher, dass die Anzahl an Zweit-OPs deutlich verringert werden könnte, wenn sich die Frauen spätestens NACH der ersten OP an die Verhaltensmaßnahmen halten würden.

Aber nein, sogar dann noch, muß der Garten gegossen werden und die 20 Liter Gießkanne rumgeschleppt werden.

 

Ganz vielen Frauen scheint die Größe ihrer Verletzlichkeit nach der Geburt nicht klar zu sein.

Teilweise liegt das natürlich an der mangelnden Aufklärung. Wobei im Moment ja tatsächlich sehr viel mehr an Aufklärung unterwegs ist. Aber auch trotz Aufklärung wollen es viele einfach nicht hören und nicht  wahrhaben.

Und ganz viele ignorieren es einfach.

Es geht nicht darum, Angst zu verbreiten, das ist keine Angstmacherei. Das sind Tatsachen.

Mit Umsicht und Vorsicht lassen sich aber ganz viele Sachen vermeiden! 

In dem Fall schadet ein bißchen Angst aber auch tatsächlich nicht. Mit ein bißchen Angst ist der Beckenboden zumindest sehr viel sicherer und besser aufgehoben auf Dauer. Das soll nämlich dazu führen, dass gewisse "Spielregeln" bzw. Verhaltensweisen nach der Geburt eingehalten werden, damit genau das mit den Spätschäden nicht passiert. Und zu den Spielregeln gehört nun mal, dass man mal mindestens das erste Jahr mit jeglicher Art an Sport und Übungen, die dem Beckenboden schaden könnten, aussetzt. Man sollte sowieso keine Sachen machen, die einem schaden könnten.

 

Natürlich gibt es auch die Frauen, bei denen allein aufgrund der Geburt, der Beckenboden und die Kontinenz nicht mehr so richtig funktionieren. In diesen Fällen ist es natürlich ganz besonders wichtig die Spielregeln einzuhalten.

In den anderen Fällen, in denen offensichtliche Schäden nicht vorhanden sind, muß man aber trotzdem ganz genauso aufpassen, gerade weil es nicht so präsent ist.

Man kann sich so eine Schwäche oder Senkung nämlich auch antrainieren.

 

Ich bin völlig überzeugt, dass sich ganz ganz viel an gesundheitlichen Problemen mit eigener Achtsamkeit vermeiden lassen würde.

Vor allem, weil ich so so viele Frauen kenne, die trotzdem joggen gehen und die trotzdem ins Fitness Studio gehen und Kettlebells schwingen, obwohl ich ihnen 100x gesagt habe, sie sollen das zu ihrer eigenen Sicherheit, nicht machen. Und das sind Frauen, die nicht  aus Spaß zu mir zur Behandlung in die Praxis kommen. Die haben ja alle schon Schmerzen und Probleme irgendwo. Sonst wären sie ja nicht bei mir.

Warum ist das nur so schwer die Zusammenhänge und Auswirkungen zu akzeptieren? 

 

 

Klar, will jede wissen, wann sie wieder das und das tun kann. Das sind ja ganz legitime Fragen, die ich gerne beantworte. Nur wäre es schön, man würde sich auch dran halten.

Im Zweifel gibt es sicher irgendwo einen Fitness Trainer, der sagt, alles kein Problem, ich trainier mit Dir "postnatal" im Studio oder der die "postnatale Laufgruppe" leitet. Für mich sind diese Wörter in dieser Kombination schon ein einziger Widerspruch in sich und völlig am Thema vorbei. Setzen, Sechs.

Sorry.

 

Ich kann nur allen Frauen ganz dringend ans Herz legen, besser auf sich aufzupassen, sich genug Zeit zu lassen in der Rückbildung und ganz langsam, mit angemessenen Übungen, die Körperkraft wieder aufzubauen, bevor man auch nur im Entferntesten daran denkt zu joggen.

Ohne Stabilität doppst die Gebärmutter im Becken haltlos auf und ab. Die Bänder, die die Gebärmutter im Becken befestigen, sind erst MONATE nach der Geburt wieder auf Normalgröße geschrumpft und straff. Das kann man nicht antrainieren. Das ist einfach ein ganz normaler Prozeß, den man nicht beschleunigen kann, egal wie viel man trainiert.

Macht man lustige Dinge, wie Gewichte heben, Kettlebell schwingen und Ähnliches, kann das die ganzen Innereien im kleinen Becken nach unten drücken. Ein Beckenboden und eine Vagina, die gerade eine Melone rausgepresst haben, haben da keine Chance. Und mit "gerade" meine ich das erste Jahr.

Kaiserschnitt schützt übrigens nicht. Das gilt hier genauso!

 

Es lohnt sich immer, die eigene Unruhe, nämlich die, dass man dies und das tun müßte und dass man ohne die oder die Sportart nicht leben kann, zu beruhigen und sich in dieser Zeit einfach etwas anderes zu suchen. Da stirbt man doch nicht dran.

 

Rückbildung dauert 2-3 Jahre. Für den Körper ist das kein Picknick, auch wenn es ganz normal und natürlich ist. Der Körper hat die fantastische Gabe der Regeneration und der neuen Zellherstellung, wenn man ihm genug Zeit und Unterstützung gibt.

Wenn man diese Heilung ständig unterbricht und ihm neue Traumen setzt, kann die ganze Geschichte entweder noch länger dauern, oder vielleicht irgendwann tatsächlich irreparable Schäden verursachen.

 

Auf die Frage "Woher weiß ich denn, wann ich das und das wieder machen kann"?, kann ich nur Folgendes antworten: Im Zweifel benötigt es bei Problemen eine geschulte Physiotherapeutin, die einen Blick drauf wirft.

Im Speziellen sage ich ganz ausdrücklich: Im ersten Jahr einfach mal die Füsse still halten. Es gibt genug Übungen, die man machen kann. Es gibt genug Sachen, die man machen kann. Und irgendwann geht auch der Rest wieder. Nicht hadern, einfach akzeptieren und dann das Thema loslassen.

 

Geduld kann man üben. Innere Unruhe und Druck, den man sich macht, kann man angehen, indem man sich fragt, wo dieser Druck eigentlich herkommt? Was für innere Antreiber wollen da bedient werden? Und wo treiben sie einen eigentlich hin?

Innere Antreiber sind meistens eher Sklavenhändler und selten beste Freunde.

Man sollte sie auf gar keinen Fall die Show moderieren lassen oder ans Steuer setzten. Nicht mal der Beifahrersitz ist angebracht. Kofferraum vielleicht.

Genau jetzt ist die Zeit, um alte schnell-schnell-Muster, ich-will-aber, ich-kann-doch-nicht und

ich-muß-doch-Muster abzubauen, und sich darauf zu konzentrieren, was wirklich wichtig ist. Und das ist die Gesundheit und das Baby.

 

Also passt schön auf Euch auf und baut den Druck ab. Im wahrsten Sinne des Wortes. Bitte.

 

 

 


Hi, ich bin die Nicole. Ich bin seit 25 Jahren Physiotherapeutin und hab viele Jahre auf der Wochenstation und auf der gynäkologischen Station in der Frauenklinik gearbeitet. Von mir bekommst Du Informationen zum "Thema" aus erster Hand. 

Rückbildung vom ersten Tag an, im Rückbildungskurs, in der Praxis mit Patienten und leider auch oft die Spätfolgen von Beckenbodenschwächen (und was es sonst noch alles geben kann)  in der operativen Gynäkologie, kenne ich in und auswendig. 

Bei mir bist Du richtig, wenn Du reale medizinische Informationen zum Thema Rückbildung und Frauengesundheit suchst. Mehr über mich findest Du hier.


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Wer sich weiter und tiefer mit dem Thema auseinandersetzen möchte, wird hier fündig:

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Auch, wenn es "nur" online ist, gibt doch sehr viele Möglichkeiten, sich schon sofort gezielt selbst zu helfen und sich gut zu informieren. 

Mit den wichtigsten Informationen und den dazu gehörigen must-do Übungsvideos, kannst Du Dich noch heute auf den Weg machen, stabiler zu werden und wieder mehr Zutrauen in Dich und Deinen Körper zu bekommen.

Wenn man weiß, mit was man es zu tun hat, ist es viel leichter. Man tappt nicht mehr im Dunkeln und fragt sich nicht ständig, was los ist. Du bekommst Antworten und die gezielten Übungen für Dein Problem.

 

Alle Übungen sind rektusdiastasensicher und rückbildungsgerecht. Sie sind physiotherapeutisch, funktionell und auf dem neuesten, modernen Stand. Ohne Situps, Crunches, Planks oder

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