Warum wird meine Rektusdiastase nicht besser?

 

Man macht und tut und nichts scheint voran zu gehen. 

Man wundert sich, man fragt sich, man rennt von Arzt zu Arzt oder von Webseite zu Webseite und findet keinen Rat.

 

Das Problem bei Rektusdiastasen ist, dass sich eine Antwort nicht in kurzen Sätzen zusammenfassen läßt, dass es meistens nicht nur eine Antwort gibt und, dass jede Frau, jeder Körper, jede Rektusdiastase verschieden sind. Was bei der einen zutrifft, mag bei der anderen ganz anders sein.

 

Aber es gibt ein paar Faktoren, an denen es zumindest liegen könnte.

Die hab ich hier mal kurz zusammen gefaßt. 

 

  1. Du machst die falschen Übungen! "Normales" Fitness Training mit "normalen" Übungen, tun einem meistens keinen Gefallen. Alle Übungen, die zu viel Druck im Bauchraum oder auf dem Beckenboden machen, sind nicht gut.
  2. Dein Muskel Transeversus Abdominis kann sich nicht aktivieren oder weiß nicht wie er das tun soll.
  3. Du machst nicht regelmäßig deine Übungen. Regelmäßigkeit ist das Zauberwort. Und Kontinuität. Von nichts kommt auch nichts. Mit Baby ist das oft sehr stressig und klar kommt man zu nix. Übungen sollen ja kein zusätzlicher Stress sein. Deswegen, streß dich nicht. Wenn du und dein Körper bereit seid, dann wirst du schon auch wieder loslegen können. Aber egal wie, man muß dann ab dem Zeitpunkt auch dranbleiben, sonst passiert am Ende nicht viel. Dennoch darf man nicht vergessen, daß eine Rektusdiastase nicht zwingend zu gehen muß, damit der Rumpf gut arbeitet. Du brauchst aber trotzdem die richtigen Übungen, damit sich der gesamte Rumpf stabilisieren kannDie grundlegenden Übungen, die deinem Körper gut tun, die er braucht und die ihm vor allem nicht schaden, kannst du hier finden. 
  4. Deine gesamte Statik stimmt nicht mehrDeine Becken (hier ist der Ansatz der Bauchmuskeln) steht in einer ungünstigen Position und die bisherige Schwangerschaftshaltung korrigiert sich nicht automatisch. In einer Schwangerschafts-Körperhaltung können die Muskeln nicht funktionell arbeiten. Manche sind zu lang, manche zu kurz. Du hast Muskeln, die so verkürzt oderverspannt sind, dass der Rest nicht funktionell arbeiten kann
  5. Du atmest falsch. Das ist ein ganzes Thema für sich, das ich ausführlich im Rektusdiastase Online Kurs bearbeite, aber es ist sehr wichtig. Das Zwerchfell muß sich nach unten bewegen beim Einatmen ohne, dass sich der Bauch aufbläht d.h. es müssen gleichzeitig die ganze Rumpfwand und die Rippen den Druck von innen, also die Luft, stabilisieren können ohne zu pressen.
  6. Dein Zwerchfell steht hoch, wie in der Schwangerschaft, und kann nicht funktionell mit den Bauchmuskeln zusammen arbeiten. Oder Dein Zwerchfell steht tief. Das könnte sich ein Osteopath zum Beispiel mal anschauen.
  7. Du hast ständig einen geblähten Bauch mit viel Luft, die die geraden Bauchmuskeln ständig auseinander drückt.
  8. Dein Stuhlgang ist unregelmäßig und/oder verstopft und es bleibt viel zu viel Abfall im Unterbauch liegen. Der Dickdarm kann unwahrscheinlich viel Volumen stauen. In dem Fall sind nicht nur die Abfallprodukte nicht gut für dich, sondern auch das Volumen des Darms, das die Bauchmuskeln von innen permanent nach außen drückt und dehnt.
  9. Du belastest Deinen instabilen Rumpf mit zu viel Gewicht, sei es Baby-Eigengewicht, größere Geschwister tragen, Hanteln im Sportstudio, Einkaufstüten, Kinderwagen, Körpergewicht etc.
  10. Du ißt nicht genug Proteine, so daß dein Körper keine guten, neuen Kollagenfasern, und damit Muskelfasern, bilden kann. Wie sieht's aus mit deinen Protein Mahlzeiten? Ißt du genug Fleisch (Hühnchen, Rumpsteak), Fisch (frischer Thunfisch, Lachs), Eier, Käse (Parmesan hat am meisten), Hülsenfrüchte (rote Linsen), Erdnüsse, Walnüsse etc. Bei veganer Ernährung unbedingt auf die ausreichende Proteinzufuhr und Vitamin B12 Zufuhr achten.
  11. Du trinkst nicht genug Wasser, so daß keine guten, neuen Kollagenfasern in deinem Körper hergestellt werden können. Kollagenfasern bestehen zu 70% aus Wasser.  Und dein Körper ist eher dehydriert und benötigt das Wasser an wichtigeren Stellen. Das heißt Du brauchst ungefähr 2-3 Liter täglich. Das beschleunigt auch den gesamten Metabolismus und Baby-Pfunde purzeln leichter, ganz zu schweigen von der geschmeidigeren Verdauung
  12. Du bist so gestresst, daß deine Cortisol Ausschüttung viel zu hoch ist und dein Körper permanent denkt du bist auf der Flucht und auf der Flucht baut man kein gutes, neues und auch kein stabiles Gewebe auf, da geht's um's Überleben und Fettzellen werden gespeichert.
  13. Du hast generell nicht genug Nährstoffe im Körper, so daß dein Körper keine guten, neuen Kollagenfasern herstellen kann. Es wiederholt sich ;) Wie sieht's aus mit Eisen (ganz wichtig nach der Geburt), Zink, Vitamin D und all den anderen Vitaminen?
  14. Du hast generell nicht genug Kalorien im Körper, weil du keine Zeit zum essen hast (und schon gar keine Zeit dich gesund zu ernähren). Wenn der Körper zu wenig Kalorien bekommt, hat er auch das Gefühl es geht um's nackte Überleben und auch das macht Stress, halt nicht auf einem vordergründig psychischen Level, sondern auf einem viel tiefer liegende, vegetativen, Level.
  15. Du stillst noch. Solange du stillst, bleibt das Gewebe weich. Nach dem Abstillen normalisiert sich die Hormonlage wieder. Aber auch das kann ein halbes Jahr oder länger dauern.
  16. Du hast erst vor 3 (4,5,6, 7, 8, 9, 10) Monaten entbunden und erwartest zu viel von deinem Körper. 
  17. Du bist zu ungeduldig 

 

 

 

 

 

Wie man unschwer erkennen kann, ist eine Rektusdiastase ein multifaktorielles Ding.

Das hängt meistens nicht nur an einer Sache, sondern an einigen. 

Es gibt keine eine Lösung oder die eine Übung, die alles weg macht.

Es braucht allerdings Übungen, die angepasst sind und nicht am Ende auch noch schaden und die Lücke noch breiter machen, weil viel zu viel Druck im Bauchraum entsteht.

 

Für eine gute Rückbildung brauchen wir Übungen, die den Muskel Transversus Abdominis aktivieren in Kombination mit all den anderenBauch- und Rumpfmuskeln.

Einzelne Muskelgruppen zu trainieren (die schrägen Bauchmuskeln z.B.) bringt recht wenig. Genauso wenig bringt es etwas, einzelne Muskelgruppen wegzulassen (die geraden), weil das nicht geht. Alle Muskeln arbeiten immer zusammen. Man muß das auch so trainieren. Genau das ist die Bedeutung von "funktionell".

 

Wir brauchen die tiefen Stabilisatoren aber vorrangig zuerst und erst zweitrangig die oberflächlichen Mobilisatoren, Das heißt es ist völlig in Ordnung sich zuerst auf die tiefen Bauchmuskeln zu konzentrieren. Irgendwo muß man ja anfangen.

Dann kommt der Rest der Bauchmuskeln schon noch dazu. Alles zusammen perfekt hinbekommen zu wollen, ist oft zu viel und man endet frustriert. Das ist eine Menge an koordinativer Muskelkraft, die am Anfang noch fehlt.

Aber genau das ist ja die Übung. Deswegen müssen wir es ja üben.

Es macht nichts, wenn das eine Weile dauert, bis man das kann.

 

 

Und auch die tiefen Rückenmuskeln brauchen wieder die Aktivierung, die sie vor der Schwangerschaft hatten. Die vergißt man ja immer, weil sich alles immer nur auf den Bauch konzentriert.

Wie gesagt, es ist ein Ganzkörper-Spiel 😊

Es  braucht einen Ganzkörperansatz und man muß das Thema ganzheitlich angehen.

Kein Muskel funktioniert isoliert. Keine Bauchmuskelübungen helfen, wenn man sie isoliert macht. Nicht am Anfang. Isoliertes Bauchmuskletraining kann man später wieder machen, um den Bauch zu formen, damit er schön aussieht. Aber es bringt nichts zu versuchen mit Situps, Crunches, Planks, Kraftübungen und solchen Sachen die Muskulatur "aufpumpen" zu wollen. Das klappt einfach nicht. Meistens wird die Lücke dadurch noch weiter und instabiler. Und der Druck, der dadurch ausgeübt wird kann gerne mal die Lücke noch mehr sprengen oder auch den Beckenboden.

 

Und es hängt auch tatsächlich so einiges vom Essen ab. Was wir zu uns nehmen macht tatsächlich etwas aus.

Auch der Stress, den wir uns täglich manchen oder geben spielt eine sehr große Rolle.

Da aber im ersten Jahr der Stress fast nicht zu vermeiden ist, ist die allererste Maßnahme:

GEDULD bis das Gröbste vorbei ist.

Man kann nicht alles auf einmal regeln. Baby, Heilung, Stillen oder Füttern, Hormone, Umstellung, Schlaf, Ernährung, das Leben und alles. Deshalb ist es ganz wichtig im ersten Jahr Ruhe zu bewahren. Sportlich und geistig.

 

Versuche einfach und mit Gelassenheit eins nach dem anderen, das ich oben aufgeführt habe, besser zu machen. Besinne dich nach und nach wieder auf deinen eigenen Körper.

Eine Baustelle nach der anderen bearbeiten. Und laß dir Zeit dabei.

 

Und auch, wenn du fleissig regelmäßig deine Übungen machst und es trotzdem nicht vorwärts geht. GEDULD. Ein Bodybuilder im Fitness Studio bekommt seinen Body auch nicht über Nacht. Und der hat KEIN Kind bekommen vorher. Natürlich will höchstwahrscheinlich niemand Bodybuilder werde. Es ist ja auch nur ein Beispiel, dass Muskelaufbau generell lange dauert.

Man braucht auch nur einmal mit Grippe 7 Tage darnieder zu liegen und schwupps scheint all die Arbeit umsonst, die Lücke ist wieder größer, weil man erstens in der Zeit nicht zum Trainieren kommt und zweitens, weil der Körper seine Kräfte für etwas anderes braucht. Nämlich dafür gesund zu werden.

Ein Schritt vorwärts und zehn zurück. So scheint es zumindest manchmal. Das ist völlig normal in dieser Phase. Nicht verzweifeln. Das geht anderen Menschen auch so.

Es gibt kein "Endstadium" für Muskelaufbau. Auch hier kommt wieder mein Lieblingsbeispiel mit dem Bodybuilder. Wenn man aufhört zu trainieren, geht auch die Muskulatur wieder weg.

Haben wir aber erst einmal eine Grundstabilität im Inneren erreicht, dann bleibt die auch meistens. Es sei denn man ist bettlägrig. Aber trotzdem gilt, dass man eher dazu neigt Schmerzen oder vielleicht sogar Bandscheibenvorfälle zu bekommen im Leben irgendwann, wenn man nie was macht.

 

Was auf jeden Fall nicht bleibt sind "aufgepumpte" Muskeln. Aber das sind alles die oberflächlichen Muskeln.

Das ist das Sixpack und die Monster-Quadrizepse und Bizepse.

Die gehen wieder weg, wenn man nix macht.

Wenn die einmal auftrainierte Muskulatur für immer so bleiben würde, müßte kein Mensch trainieren geschweige denn Übungen machen. Das ist ein immer und ewig andauernder Prozeß und sollte am am besten zum Lebensstil gemacht werden. Natürlich nicht das Bodybuilding, sondern das

Übungen-machen und die Muskulatur erhalten.

Auch für die generelle Gesundheit, Knochendichte und Stabilität, Prävention von Wirbelsäulenschmerzen, eventuellen Bandscheibenvorfällen und für's Alter ist das sehr sehr von Vorteil.

 

Vergiß aber trotzdem nie, dass dein Körper eine Marathonleistung mit Schwangerschaft und Geburt durchgemacht hat und immer noch am machen ist. Die hormonelle Umstellung allein kann schon zwei Jahre dauern. Dein Körper ist keine Maschine. Und er braucht sehr viel Pflege und Verständnis.

Gib sie ihm, wo du nur kannst.


Hi, ich bin die Nicole. Ich bin seit 25 Jahren Physiotherapeutin und habe viele Jahre auf der Wochenstation und auf der gynäkologischen Station in der Frauenklinik gearbeitet. Von mir bekommst Du Informationen zum "Thema" aus erster Hand. 

Rückbildung vom ersten Tag an, im Rückbildungskurs, in der Praxis mit Patienten und leider auch oft die Spätfolgen von Beckenbodenschwächen (und was es sonst noch alles geben kann)  in der operativen Gynäkologie, kenne ich in und auswendig. 

Bei mir bist Du richtig, wenn Du reale medizinische Informationen zum Thema Rückbildung und Frauengesundheit suchst. Mehr über mich findest Du hier.


Rückbildung mit Rektusdiastase Onlinekurs

Wer sich weiter und tiefer mit dem Thema auseinandersetzen möchte, wird hier fündig:

Rückbildung mit Rektusdiastase.

Auch, wenn es "nur" online ist, es gibt sehr viele Möglichkeiten, sich schon sofort gezielt selbst zu helfen und sich zu informieren. 

Mit den wichtigsten Informationen und den dazu gehörigen must-do Übungsvideos, kannst Du Dich noch heute auf den Weg machen, stabiler zu werden und wieder mehr Zutrauen in Dich und Deinen Körper zu bekommen.

Wenn man weiß, mit was man es zu tun hat, ist es viel leichter. Man tappt nicht mehr im Dunkeln und fragt sich nicht ständig, was los ist. Du bekommst Antworten und die gezielten Übungen für Dein Problem. Alle Übungen sind rektusdiastasensicher und rückbildungsgerecht. Physiotherapeutisch, funktionell und auf dem neuesten, modernen Stand. Ohne Situps, Crunches, Planks oder schräge-Bauchmuskel- Training, welches ja bekanntermaßen Rektusdiastasen schlimmer machen kann.

 

 

Informiere Dich weiter:


Kommentar schreiben

Kommentare: 0