Erfahrungsbericht einer Rektusdiastasen OP mit Nabelbruch

 

 

 

Eine meiner Kolleginnen, hat sich ihre Rektusdiastase und den Nabelbruch operieren lassen. 

Vielen, vielen Dank Eva, für Deinen Bericht.

 

Stand der Dinge war folgender:

2. Geburt im November 2014

OP : Februar 2016, d.h. 15 Monate postpartum (3 Monate nach dem Abstillen)(es gibt Ärzte, die warten mindestens 1 Jahr nach dem Abstillen, nur kurz angemerkt)

 

 

Mein Name ist Eva B. Ich bin 35 Jahre alt und habe zwei Töchter im Alter von 3 & 4 Jahren.

Auf Nicoles Wunsch hin habe ich mich bereit erklärt, einen Erfahrungsbericht über meine Operation

für ihre Internetseite zu verfassen, um anderen Frauen die Möglichkeit zu geben, sich über die

Möglichkeit einer Operation zu informieren. 

Nach meiner ersten Entbindung (vaginal) 2013, hat sich mein Körper recht schnell wieder regeneriert,

wenn man von einem, natürlich nur langsam verheilenden, Schambeinbruch mal absieht.

Mein Gewicht ging infolge des Stillens ziemlich schnell wieder runter und auch der Bauch entwickelte

sich normal zurück.

Klar – ich hatte zunächst einen wabbeligen Pudding, wo zuvor eine straffe Babybauchkugel in

Gymnastikballgröße zu finden war. Aber alles verlief normal. Es dauert eben seine Zeit, bis sich alles

wieder zurück gebildet hat.

 

Nach nur 10 Monaten war ich erneut wieder schwanger. Meine Rectusdiastase hatte sich noch nicht

wieder komplett geschlossen, aber der Bauch war wieder relativ flach und normal proportioniert.

Durch die Schwangerschaft wurde ich natürlich wieder runder und runder und schob zum Ende der

Schwangerschaft wieder eine beachtliche Pezziballkugel vor mir her.

Die gesamte Schwangerschaft hindurch, habe ich unsere ältere Tochter noch hoch gehoben, getragen

und auch nachts noch in ihr Bettchen gelegt oder daraus hoch gehoben. 

 

Aufgrund des, bei der ersten Entbindung aufgetretenen, Schambeinbruches (keine Sorge - das ist

extrem selten), und da unsere zweite Tochter schwerer und größer zu werden schien, als ihre

Schwester, mir aber niemand sagen konnte, was mein Becken von einer zweiten Entbindung auf

normalem Wege halten würde, wurde letztendlich, vier Tage vor ET, im November 2014 ein geplanter

Kaiserschnitt durchgeführt. 

 

Die Regeneration verlief gut, allerdings entwickelte sich mein Bauch dieses Mal nicht so zurück, wie

nach meiner ersten Entbindung. Der Pudding war derselbe. Aber er hatte viel länger viel mehr

Volumen und mit der Zeit ging zwar der Haut-Pudding wieder zurück, aber es blieb eine recht feste,

kugelförmige Vorwölbung im Unterbauch. Es wirkte fast wie ein Schwangerschaftsbauch im 5. Monat.

Ich konnte ihn nicht einziehen, trug nach Möglichkeit kaschierende, weit geschnittene Oberteile und

wurde trotzdem etwa ein dreiviertel Jahr nach meiner zweiten Entbindung darauf angesprochen,

wann denn das Baby käme. 

 

Ich war beide Male sehr gerne schwanger und immer stolz auf meinen jeweils riesigen Babybauch.

Aber für schwanger gehalten zu werden, ohne tatsächlich schwanger zu sein, fand ich überhaupt nicht

schön. Ich war sehr unzufrieden mit der Optik meines Bauches, habe mich damit unwohl gefühlt.

Gleichzeitig hatte ich das Gefühl undankbar zu sein, da ich zwei gesunde Kinder hatte und

Schwangerschaften nun mal Spuren hinterlassen…

 

Bereits im Wochenbett hatten meine Nachsorgehebamme und ich den Verdacht es könnte ein

Nabelbruch bei mir vorliegen, da teilweise ein etwas einklemmendes Gefühl beim Aufstehen aus dem

Sitz auftrat. Aufgrund der persistierenden kugeligen Form meines Bauches, ging ich im Sommer 2015

zu einem Chirurgen, um abklären zu lassen, was genau vorlag.

 

Der Chirurg stellte tatsächlich eine Bauchdeckenhernie fest. Er meinte, ich könne sie jederzeit operativ

beheben lassen, es läge aber keine dringliche OP-Indikation vor. 

 

Da ich in unserer Umgebung keine Physiotherapeutin fand, die auf Rectusdiastasen spezialisiert war

und mir der Bruch in Verbindung mit der etwa 4-5 Querfinger breiten Rektusdiastase im Alltag

zunehmend unangenehmer wurde (fehlende Stabilität im Rumpf; Rückenschmerzen; offenes,

ungeschütztes Gefühl vorn in der Körpermitte,…), stillte ich unsere Kleine im Dezember 2015 ab und

entschloss mich zur operativen Therapie. 

 

Im Februar 2016 wurde ich in einem Klinikum hier in der Nähe in Vollnarkose operiert. Es wurde ein

etwa 8cm langer Längsschnitt am Bauchnabel vorbei gemacht. Die geraden Bauchmuskeln wurden

zunächst zu den Seiten gezogen und ein etwa 10x15cm großes Netz unter die geraden Bauchmuskeln

in die Rectusscheide gelegt und dort befestigt. Anschließend wurden die beiden Rectusstränge in der

Mitte miteinander vernäht. Als ich wach wurde hatte ich drei Drainageschläuche zum Abfließen der

Wundflüssigkeit im Bauch und hatte ziemlich mit den Nachwehen der OP zu kämpfen.

Die ersten Tage waren trotz Schmerzmittel nicht besonders angenehm und es wurde nur langsam

besser. Nach 5 Tagen durfte ich zu meinen zwei Töchtern und meinem Mann nach Hause, musste

mich aber noch sehr schonen. Zum Schutz der Nähte musste ich für drei Monate eine straffe

Bauchbandage tragen und durfte nicht schwer heben. 

 

Mein Bauch war noch sehr lange geschwollen und der OP-Bereich ist noch heute taub bzw. die

Sensibilität ist gestört.

Immerhin habe ich jetzt wieder einen richtigen Bauchnabel, auch wenn er nicht mehr so aussieht, wie

früher. Die Schwellung ist nach vielen Wochen schließlich zurück gegangen. Die überschüssige Haut

hat sich auch zum Teil wieder zurück gebildet. Auf der linken Seite hängt sie noch etwas. 

 

Mittlerweile mache ich wieder Sport und auch spezielle Übungen für meine Körpermitte, die das

Muskelkorsett und den Beckenboden kräftigen. Bei einigen Übungen ziept es teilweise im Bauch oder

es fühlt sich in der Tiefe komisch an, aber im Allgemeinen hat sich der Bauch gut entwickelt. Er ist

flach und ich kann auch wieder körperbetonte Kleidung tragen.

 

Aufgrund meiner eigenen Erfahrungen, habe ich mich dazu entschlossen, mich in meiner Funktion als

Physiotherapeutin auf Frauen mit Rectusdiastase und generell auf Rückbildung zu spezialisieren, um

anderen Frauen in ähnlichen Situationen zu helfen und ihnen nach Möglichkeit die OP zu ersparen.

Wenn ich damals die Möglichkeit gehabt hätte, mit einem spezialisierten Physiotherapeuten zu

trainieren, hätte ich dies einer OP vorgezogen und gegebenenfalls hätte ich die OP letztendlich

vielleicht nicht mehr benötigt. Wenn trotz speziellen Trainings die Rectusdiastase nicht zu beheben

ist, bzw. ein vorhandener Nabelbruch nicht über Muskelkorsettaktivierung in Verbindung mit

Beckenbodenaktivierung stabilisiert werden kann, kann man die operative Therapie in Betracht

ziehen, sollte sich aber bewusst sein, dass es eine große Operation mit deutlichen postoperativen

Einschränkungen ist und man die erste Zeit sehr auf Hilfe angewiesen ist.

 

Ich selbst habe die Operation an sich und ihre Nachwirkungen gnadenlos unterschätzt. Und auch die

Sache mit den Schläuchen. Ich weiß nicht, ob ich mich rangetraut hätte, wenn ich das vorher gewußt

hätte. Hab ich aber zum Glück nicht drüber nachgedacht.

Zudem würde ich mir im Nachhinein betrachtet lieber mehrere Meinungen und Beratungen

verschiedener Ärzte einholen und auch einen plastischen Chirurgen in Erwägung ziehen, da das

OP-Ergebnis dann auch die überschüssige Haut mit einbezogen hätte. So wurde der kosmetische

Aspekt nicht in den Vordergrund gestellt bzw. nicht so sehr beachtet.

 

Meine (Nicole) Frage:

Würdest Du es noch mal machen lassen?

 

Evas Antwort:

Das Ergebnis ist schon so, dass ich eine viel bessere Stabilität im Rumpf habe seitdem.

Kann meinen Rumpf besser stabilisieren und habe nicht mehr so ein offenes Gefühl nach vorne.

Wär ich heute noch mal in der Situation, würde ich, glaub ich, erst selbst mehr versuchen zu machen.

Gegebenenfalls nach Mannheim zu Frau Heller fahren und die Griffe durchführen lassen. Das geht

selbst schlecht. Und dann dein Programm durcharbeiten. Und, wenn es dann nicht stabil und für mich

optisch okay wäre, dann würde ich die OP machen lassen, denke ich. Aber ich würde dann eher

erfahrene plastische Chirurgen um Rat  fragen. Die arbeiten einfach feiner, denke ich :)

 

 

 

 

 

Für die Aufnahme der Narbe auf Bilde 5+6, hat Eva die Haut "glatt gezogen", damit man sie besser sieht.

Eva hat leider kein Foto von vor der OP, aber sie sagt sie sah viel, viel schlimmer aus. 

 

 

Fazit:

 

  • Eine Bauch OP nach der Geburt löst nicht zwingend alle Probleme. Und je nachdem, wer operiert, sieht das Ergebnis anders aus. Es ist davon auszugehen, dass ein Plastischer Chirurg die Haut noch gestrafft hätte und den kosmetischen Aspekt dazu genommen hätte. Wer also daran denkt, eine OP machen zu lassen, und bei manchen ist sie wirklich nötig, der muß sich auf jeden Fall einige Ärzte ankucken und sich gut informieren über die Ergebnisse, die dieser Arzt schon erzielt hat.
  • Eine OP ersetzt keine Therapie. Übungen müssen trotzdem gemacht werden. Muskeln müssen aufgebaut werden. Und das OP Ergebnis muß dadurch auch unterstützt werden.
  • Am besten man sucht nach Therapeutinnen, die nach Angela Heller arbeiten. Mein persönlicher "Guru" ist Diane Lee aus Kanada. Es gibt auch Therapeuten, die bei ihr gelernt haben (wie mich zum Beispiel).
  • Es ist nicht alles reparabel. Manchmal muß eine OP sein, um die Stabilität des Körpers wieder herzustellen.
  • In weniger dramatischen Fällen, kann man mit den richtigen Übungen auch schon sehr viel erreichen und genau diese Übungen braucht man auch hinterher, um stabil zu werden und bleiben.
  • Es dauert alles länger als man denkt :) Wundheilung, Rekonvaleszenz, Regeneration usw. dauert bis zu einem Jahr. Oder, was zum Beispiel Taubheitsgefühle der Narbe oder der Haut angeht, manchmal noch länger.
  • Die Krankenkasse hat die OP in Evas Fall übernommen, aber nur, weil die Nabelhernie als Diagnose dabei war.
  • Also genau informieren, wer was bezahlt und wie es genau gemacht wird. 
  • Das "Hinterher" einplanen. Man fällt erst mal 3 Monate aus, was mit sehr kleinen Kindern meistens recht schwierig ist. Heben, Tragen, Schleppen jeglicher Art ist nicht drin. Haushaltshilfe organisieren.
  • 3 Monate Bauchgurt sind im Sommer auch nicht angenehm. Also auch die Jahreszeit bedenken.
  • Sich am besten erst 1 Jahr nach dem Abstillen beim Chirurgen vorstellen, damit das Gewebe genug Zeit hat, sich wieder auf Normal-Hormonhaushalt einzupendeln und die ganz natürlichen "Straffungsprozesse" nach dem Abstillen genug Zeit haben, Gestalt anzunehmen :)

 

 

 

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