Hula Hoop in der Rückbildung und bei Inkontinenz?

Hula Hoop zur Rückbildung

 

Ich bekomme ja ständig Mails zu diesem oder jenem Gerät oder zu diesem und jenem Training. 

Hula Hoop als "Rückbildungstraining" geht mir schon lange ziemlich auf die Nerven, weil ich mal wieder (wie so oft) denke, haben diese Leute eigentlich irgendeine Ahnung von Rückbildung?

Haben die jemals eine echte Wöchnerin auch nur erblickt? Haben die jemals wirklich die Augen aufgemacht und wirklich gesehen, was sie den Leuten antun? Haben die eigentlich irgendeine Ahnung vom Körper an sich, von Physiologie, von Anatomie und überhaupt?

Und, wie immer, landen diese Frauen oft als Patientinnen bei uns.

Das bekommt dann aber keiner mehr mit.

 

Und, auch wie so oft, hab ich mich nicht getraut, dazu öffentlich meine Meinung zu sagen, weil ja immer gleich ein Shitstorm kommt, von diesen Leuten, die denken, sie hätten Ahnung.

 

Mir ist aber die Hutschnur geplatzt als ich bei Prosieben im Frühstücksfernsehen diesen Bericht über diese Frau, die angeblich mit Hual Hoop ihre Inkontinenz in den Griff bekommen hat, gesehen habe, und die jetzt mit ihrer Selbstständigkeit floriert und Kurse für Frauen/Mamas anbietet und Reifen verkauft.

Wenn SOWAS im Fernsehen als Rückbildungstraining oder gar als Beckenbodentraining, bei Inkontinenz (oder bei Rektusdiastase) angepriesen wird, dann echt gute Nacht.

Und so war's halt.

Medizinisch völlig unreflektiert so einen Bericht im TV zu bringen, finde ich echt grob fahrlässig.

Ist ja aber auch nix Neues.

 

Ich hatte diese Woche bei Instagram eine Fragerunde gepostet und super viele Fragen bekommen zum Hula Hoop. Ob das denn wirklich so gut sei für den Beckenboden und bei Rektusdiastase.

Ich weiß echt nicht, was daran gut für den Beckenboden oder für eine Rektusdiastase sein soll.

 

Als ich dann das kleine Video als Antwort bei Instagram gepostet hatte, haben sich so viele Kolleginnen bei mir gemeldet und haben gesagt, endlich sagt's mal jemand, ich hab mich nicht getraut.

Ja, so weit ist es schon. 

Da trauen sich Leute, die sich echt auskennen mit Frauen und Rückbildung, nicht, was zu sagen.

Ganz schön krass. 

Aber teilweise redet man ja auch an die Wand. Aber das ist ein anderes Thema. Wie eine Kollegin so schön geschrieben hat "Ich komm mir oft vor, wie eine Platte, die nen Sprung hat". Man redet sich den Mund fusselig, aber die sportorietierte Mutti hört nicht. Kommt dann aber Wochen später mit tierischen Rückenschmerzen zurück. Das ist ja nicht nur beim Hula Hoop so, sondern bei vielem, was als Sport heftiger ist im ersten Jahr.

Und je nachdem, wie gut das Muskelkorsett aufgebaut ist und wie stabil man ist, kann es eben noch länger dauern als das erste Jahr. 

 

Viele Anbieter sagen "Nach Abschluss der Rückbildung" und meinen damit wann nochmal genau?

Auch das bleibt oft den Frauen überlassen, die dann denken, das ist nach dem Rückbildungskurs, so um die 3-4 Monate nach der Geburt.

Ich arbeite gerade einen Blogartikel aus, darüber wann die Rückbildung abgeschlossen ist.  

Kommt demnächst.

 

Oder man dreht es sich so hin und sagt, dass es ja auch an der Reifenauswahl liegt und dass man nur richtig anspannen muss oder sie sagen einfach gar nichts dazu und trainieren einfach drauf los.

Ich kann euch nur ans Herz legen. macht nicht jeden Trend mit, nur weil es ihn gibt und hört auf Geräte zur Rückbildung zu kaufen. Die meisten davon sind völlig überflüssig. 

Die einzigen Geräte, die ich benutze sind Theraband (das leichteste), Redondo Ball, Pezziball und weichen Igelball/Noppenball und vielleicht noch einen Faszienball. Mehr aber auch nicht.

Macht eure Übungen, die sind am allerwichtigsten. Auch, wenn sie euch langweilig erscheinen.

Es ist wichtig, sich darauf zu konzentrieren und zu fokusieren, bevor man etwas macht, dass der Körper noch nicht kann.

Der braucht erst eine gute Grundstabilität, die Organe müssen wieder da sein, wo sie vorher waren, die inneren Haltebänder müssen geschrumpft sein und wieder fest sein, so dass sie die Gebärmutter auch halten können. Das Gewebe sollte fest genug sein, Druck abzufangen und der Bauch und der Beckenboden müssen "dicht" sein, sonst hullert man sich in noch mehr Dysfunktionen rein.

Man muss eine gute Grundspannung halten können. Im Bauch und auch im Beckenboden.

Wenn dem nicht so ist, dann knallt so ein sportlicher Hulareifen permanent ins weiche Hormongewebe. Der Druck leitet sich ungebremst weiter zum Beckenboden, eine Rektusdiastase wird permanent "gesprengt".

Wenn man das jeden Tag macht, dann kann das irgendwann in die Hose gehen und eine Rektusdiastase geht vielleicht nie zu und wird dadurch auch nicht besser.

Es gibt leider so viele Sachen, die genau das verhindern, was man eigentlich erreichen will.

Rückbildung ist leider eher die Zeit des Weglassens als die des "Noch mehr Machens" oder des "Was kann ich denn noch Tuns".

Atmen, spazieren gehen, Rad fahren 😉

 

 


Hi, ich bin die Nicole. Ich bin seit über 25 Jahren Physiotherapeutin und habe viele Jahre auf der Wochenstation und auf der gynäkologischen Station in der Frauenklinik gearbeitet. Von mir bekommst Du Informationen zum "Thema" aus erster Hand. 

Rückbildung vom ersten Tag an, im Rückbildungskurs, in der Praxis mit Patienten und leider auch oft die Spätfolgen von Beckenbodenschwächen (und was es sonst noch alles geben kann)  in der operativen Gynäkologie, kenne ich in und auswendig. 

Bei mir bist Du richtig, wenn Du reale medizinische Informationen zum Thema

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