Warum Schmerzen in der Schwangerschaft entstehen können und das Hormon Relaxin

Wer kennt sie nicht..... Rückenschmerzen, Nackenschmerzen, geschwollene Hände und Füße?

Das ist natürlich nicht bei jeder Schwangeren gleich. Einige Glückliche haben bis kurz vor Ende gar nichts oder tatsächlich nie etwas, aber im Normalfall werden die meisten schon relativ früh oder spätestens nach ein paar Monaten von diversen Schmerzen geplagt.

Gott sei Dank gibt es heutzutage Abhilfe in Form von Massagen, Bauchgurten, Tapes und vielem mehr.

Dass das ein recht "normaler", wenn auch unangenehmer Nebeneffekt, einer Schwangerschaft sein kann, möchte ich Euch heute hier kurz erklären.

 

 

Warum entstehen Schmerzen in der Schwangerschaft?

Zum Einen ist es natürlich die Veränderung der gesamten Statik des Körpers und die doch schon massive "Ladung" die hinzu kommt. Die "Raumforderung" sozusagen.

Das wachsende Baby macht sich Platz, wo es nur kann egal, ob die Strukturen der Lendenwirbelsäule, Brustwirbelsäule, der Rippen und vor allem des Kreuzbeingelenks schon ein Leben lang fest und unbeweglich waren oder nicht. Was nicht beweglich ist, muß beweglich gemacht werden.  Was nicht selten zu einem Instabilitätsgefühl führt.

 

 

Zum Zweiten sind es die veränderten muskulären Verhältnisse. Die "Hebelverhältnisse" im Körper ändern sich völlig. Die langen Rückenstrecken müssen mit zunehmender Schwangerschaft viel, viel mehr halten als zuvor, da die Bauchmuskeln in ihrer überdehnten Position nicht mehr so viel leisten können. Die überspannten Rückenstrecker ziehen das Kreuz in eine Hohlkreuzposition, in der es vorher nicht war oder zumindest nicht so ausgeprägt. Der Rücken gleicht aus, was der Bauch nicht mehr kann. Meistens bleibt dieser Zustand auch noch Monate nach der Geburt bestehen, wenn nicht professionell eingegriffen wird. Die Statik ändert sich von alleine meistens nicht wieder. Die Muskeln sind dann nämlich gar nicht mehr gewohnt in ihrer funktionellen Position zu arbeiten. Die müssen das erst wieder lernen. Und das geht selten schnell. 

 

Zum Dritten gibt es da auch noch ein Hormon, das eine wesentliche Rolle spielt. Nämlich Relaxin.

 

Relaxin ist ein Hormon, das eine wichtige Rolle im weiblichen Fortpflanzungssystem spielt. Es wird in den Eierstöcken gebildet und während der Schwangerschaft auch in der Plazenta. Zur Vorbereitung auf die Geburt entspannt es die Bänder im Beckenbereich und macht den Muttermund weich und weit.

Während des Zyklus steigt der Relaxin-Spiegel im Blut nach dem Eisprung in der zweiten Zyklushälfte an, um die Wand der Gebärmutter zu entspannen, um Kontraktionen zu verhindern und um somit eine mögliche Schwangerschaft vorzubereiten.

Wenn keine Schwangerschaft "stattfindet", fällt der Relaxin-Spiegel wieder.

 

In der Schwangerschaft ist der Relaxin-Spiegel im ersten Trimester am höchsten. Man nimmt an, dass es dem Fötus so hilft  sich in die nun weichere Gebärmutterwand gut einzunisten und das Wachstum der Plazenta zu fördern. Im frühen Stadium der Schwangerschaft verhindert es Kontraktionen der Gebärmutter, damit keine frühzeitige Geburt ausgelöst wird.

Es hilft dem Körper der Mutter sich an die vielen Umstellungsprozesse während der Schwangerschaft anzupassen wie z.B. entspannt es die Blutgefäße der Mutter, damit eine gute Blutzufuhr zur Plazenta stattfinden kann und sich das ganze Herzkreislaufsystem und Nierensystem der Mutter an die höhere Leistung anpassen kann. Sauerstoffaustausch, Abfallwirtschaft, Wasserhaushalt für zwei.

 

Zum Ende der Schwangerschaft hin soll Relaxin dafür sorgen, dass die den Fötus umgebenden Membranen "aufbrechen", dass der Gebärmutterhals, der Scheidenschlauch und die Bänder im Beckenbereich  weich werden, um den Körper auf die Geburt vorzubereiten.

Die vielen genauen Trigger-Mechanismen der Geburtseinleitung werden noch erforscht.

Es gibt übrigens auch bei Männern Relaxin. Hier wird es in der Prostata hergestellt

 

Relaxin ist aber auch noch für viele andere Dinge im Körper zuständig. Es gehört zur selben Hormongruppe wie Insulin und soll unter anderem bei der Wundheilung helfen und verhindern, dass Narbengewebe in Herz, Leber, Nieren und Lunge nach einer Entzündung zu stark fibrosiert. Das heißt unbewegllich und starr wird.

Es soll auch an der Regulierung des Blutdrucks beteiligt sein, indem es die Gefäße weit stellt und entspannt und die Bildung neuer Gefäße fördert. Die genauen Mechanismen werden zur Zeit noch erforscht, machen Relaxin aber zum Kandidaten es therapeutisch bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen einzusetzen.

Quelle: http://www.yourhormones.info/hormones/relaxin.aspx

 

Nach der Geburt ist das Gewebe natürlich immer noch weich. Und es wird auch noch ein Weilchen weich bleiben. Die Umbauprozesse im Körper dauern sehr lange. Bis innen drin wieder alles stabil ist, kann ein Jahr vergehen.

 

Nicht selten verlieren Frauen während der Schwangerschaft auch Urin. 30% aller Schwangeren. Siehe Bild unten. Das hab ich kopiert von der Webseite diegyn-praxis.de, weil es so schön kurz und prägnant beschreibt, was los ist.

 

Wichtig ist auf jeden Fall gut auf sich aufzupassen, sich zu bewegen, aber nicht zu übertreiben. nach der Geburt darf man nicht vergessen, dass es am besten ist im ersten Jahr die Hufe still zu halten, bevor man wieder Sport treibt. Zum Sport treiben muß das Gewebe stabil sein. Und mit Sport meine ich alles, das mit rennen, hüpfen und stop-and-go verbunden ist.

Was immer gut ist, ist Rad fahren und bergauf gehen. Das trainiert schön über die Beine, ist anstrengend genug, aber nicht gefährlich. Denn gefährlich kann es im schlimmsten Fall werden, wenn der Beckenboden zu weich ist und der Bauch den Inhalt nicht mehr halten kann, wegen einer Muskelschwäche oder Rektusdiastase.