Kaiserschnitt - was Du unbedingt in der Klinik schon zur Rückbildung beachten und machen solltest

Ein Kaiserschnitt ist kein Zuckerschlecken. Es ist eine große Bauch OP mit allem, was dazu gehört. 

Eine "normale" Bauch OP ist schon sehr anstrengend und benötigt sehr viel Ruhe und Heilung. Nach einem Kaiserschnitt hat man auch noch ein Baby zu versorgen, schläft nicht und hat Hormonchaos. Es wird leider aber irgendwie erwartet, dass die Frauen das einfach mal so wegstecken, nicht jammern, keine Schmerzen haben, ruck zuck mobil und gleich total fit sind. Was ich ersten völlig unverständlich finde und was zweitens auch vom Heilungsprozess und generell vom Eingriff her, gar nicht geht.

 

Es gibt allerdings ein paar Dinge, die sein müssen im Krankenhaus. Da kommt keine dran vorbei, auch wenn es sehr schwer fällt. Und am ersten Tag gleich aufstehen zum Beispiel ist ein Muss, wegen der Thrombose und Embolie Gefahr nach OPs.

Also, Augen zu und durch ;)

 

Ein Wort noch zu Himbeerblättertee. Am besten man verzichtet völlig darauf !! Im Fall einer ungeplanten OP kann das tatsächlich zu Katastrophen führen. Dieser Tee macht das Gewebe so weich, dass das Nähen manchmal fast kaum geht, weil die Fäden nirgends im Gewebe (Gebärmutter und die Schichten drum rum) Halt finden können. Auch bei Spontangeburten kann das große Schwierigkeiten machen, wenn innerhalb der Scheide Strukturen oder gar die Gebärmutter gerissen sind. Das sind auch tatsächlich keine "urbanen Horrorgeschichten", das sind Tatsachen aus dem Kreissaal bzw. OP.

Bei den meisten "Näh-Katastrophen", von denen ich gehört habe, war Himbeerblättertee im Spiel. Also zur Vorsicht lieber nicht trinken.

Die Situation geht dann ungefähr so auf Station bei der Übergabe: 

"Wir kriegen ne neue Patientin. Sectio. Konnte kaum genäht werden. Blutbad. War voll zerfleddert"

"Ach Gott echt? Warum das denn?"

"Wahrscheinlich Himbeerblättertee. Was sonst. Ich frag mal nach"

Paar Stunden später

"Hab die Patientin gefragt. Sie sagt sie hat Himbeerblättertee getrunken".

Das passiert halt immer mal wieder und ist dem Fachpersonal auch völlig bekannt. Ähnlich wie, wenn man Aspirin nimmt.

Das nur kurz am Rand.

 

Hier kommen die Dinge, die nach einem Kaiserschnitt sein müssen:

 

  1. Aufstehen. Weil: Achtung Thrombosegefahr. Aufgestanden wird in der Regel so ungefähr 6 Stunden nach der OP. Das ist meistens recht schmerzhaft und mühsam, weil einfach ALLES weh tut und man noch mit der Narkose zu kämpfen hat. Nichtsdestoweniger muß es sein. Mit Hilfe des Pflegepersonals wird meistens sogar schon ein kleiner Gang ums Bett gemacht.Der Katheter kommt erst raus, wenn man mobil ist und auch selbst zur Toilette gehen kann. Am besten man bringt sich auch gleich Thrombosestrümpfe mit. Viele Kliniken geben die nicht mehr automatisch nach OPs, weil es angeblich nichts bringt. Aber dennoch, finde ich, ist es eine sichere Sache und bei geschwollenen Beinen fantastisch und erleichternd. 
  2. Auf Toilette gehen (wenn der Katheter dann draußen ist). Spätestens alle 3 Stunden versuchen die Blase zu leeren. Auch, wenn man es nicht spürt oder denkt man muß nicht. Die Blase muß geleert werden, sonst können auch hier Infektionen entstehen. Manchmal ist am Anfang das ganze Zusammenspiel mit Blase und Verdauung etwas gestört. Das geht aber meistens ganz schnell wieder vorbei. 
  3. Atmen !!!! Trotz Schmerzen. Man kann es ja vorsichtig und langsam machen. Ganz wichtig wegen der Emboliegefahr nach OPs und der Gefahr einer minderbelüfteten Lunge, was zu Infektionen führen kann. Plus tiefes Atmen mobilisiert auch die Narbe von innen. Das ist gut so. Das fördert die Durchblutung und Beweglichkeit der Narbe. Sie soll ja nicht starr und unbeweglich verwachsen. Und es fördert die Verdauung.
  4. Husten, lachen, niesen .... oh weh. Das jagt einem schon den Kaltschweiß auf die Stirn. Am besten, wenn man es noch schnell schafft vor dem husten, lachen, niesen, Bauch festhalten, Pipi anhalten und Po zusammen petzten. Das heißt quasi die Narbe sichern und von unten dicht machen. Das hilft wirklich, damit es nicht so weh tut.
  5. Über die Seite aufstehen geht meistens noch nicht wirklich gut. Wenn es geht versuchen sich über die Seite zu kugeln und dann mit der Armkraft hochdrücken. Nicht über die Bauchmuskeln. Oder das Kopfteil des Betts ganz hoch fahren und es dann versuchen. Am besten mit der Ausatmung hoch drücken. Dann entsteht nicht so viel Druck im Bauch und es tut weniger weh.
  6. Viel Wasser ohne Kohlensäure trinken. 2-3 Liter. Das ist nicht nur für den Kreislauf gut, sondern auch wieder wegen der Thrombosegefahr und dem "Volumenverlust" bei der Geburt. Auch die Verdauung, die völlig lahmgelegt wurde, braucht dringend Flüssigkeit. Blähungen und wenig Flüssigkeit können unwahrscheinliche Schmerzen bei einer frischen Bauchnarbe machen. Außerdem hilft viel Flüssigkeit die Narkose wieder aus dem System auszuscheiden und zu "detoxen".
  7. Was zu Punkt Nummer 7 führt. Ich rate für den Anfang völlig von Ballaststoffen ab! Vollkornprodukte, Obst und Rohkost können zu Unverdaulichkeiten, Verstopfung und Blähungen führen. Der Darm ist nach der OP sehr träge. Der schafft so heftige Sachen wie Vollkorn noch nicht. Einfach verdauliche Dinge essen. Kartoffeln, Kartoffelbrei, Reis, gedünstetes Gemüse, heiße Schmelzflocken oder auch gedünstetes Obst. Kein Müsli. Fleisch ist auch sehr schwer verdaulich. Wenn, dann Lachs und Hühnchen. Auch super sind Suppen, die Kraft geben. Zum Beispiel Kürbis-Karottensuppe oder Kartoffelsuppe mit frischen Kräutern. Kann man sich ja von der Schwiegermutti oder generell vom Besuch mitbringen lassen, wenn das Klinikessen nix ist ;) Am besten auch nicht zu viel Zucker, weil das wieder gärt und bläht.
  8. Direkte Überleitung zu Punkt 8: Nicht zu viel Besuch empfangen !!! Nach der OP braucht man ganz viel Schlaf und Pflege. Da ist Besuch einfach oft kontraproduktiv. Man ist sehr müde und muss tatsächlich die Narkose "rausschlafen". Außerdem macht viel Besuch das Baby unruhig und die Nächte werden nicht besser dadurch.
  9. Eine Unterhose, Hose, Hosenknopf oder ein enger Bund dürfen nicht auf die Narbe drücken, weil es sonst durch die verminderte Durchblutung zu Wundheilungsstörungen kommen kann. Auch ab und zu Luft an die Narbe lassen und einfach mal "offen" daliegen.
  10. Nach dem Duschen muß die Narbe trocken sein, bevor man Pflaster und Ähnliches drüber macht. Kann sonst zu Infektionen führen, durch das warme, feuchte Klima unter dem Pflaster.
  11. Bücken sollte man so gut es geht meiden. Geht meistens ja auch gar nicht wirklich so spontan
  12. Wichtig ist, sich nicht zu viel zuzumuten. Wenn dann am 2-3 Tag alles prima läuft, nicht denken, man könnte den ganzen Tag auf den Beinen sein. No No No. Schön ausruhen, heilen und so viel es geht schlafen. Beine hochlegen, um Schwellungen zu vermeiden.
  13. Treppe gehen erst nach einer Woche, wie bei jeder anderen Bauch OP auch.
  14. Generell gilt: Nicht mehr als das Gewicht des Babys tragen. Da fängt die Bredouille schon an. Nach "normalen" Bauch OPs, ohne die veränderte Hormonlage, die das ganze Gewebe von innen und außen weich und instabil macht, darf man nur 1 Kilo in der ersten Woche tragen. Frische Mamas müssen da schon 3-4 Kilo tragen. Die Regel wäre im Normalfall nach Bauch OPs: 1. Woche 1 Kilo, 2. Woche 2 Kilo, 3. Woche 3 Kilo, 4. Woche 4 Kilo, 5. Woche 5 Kilo. Dann 3 Monate nicht mehr als 5 Kilo tragen. Deshalb.... gut aufpassen. Das Baby tragen reicht völlig. Geschwisterkinder auch lieber im Sitzen oder Liegen zu sich hoch krabbeln lassen als sie zu tragen. Da geht es ja viel um den Körperkontakt generell. Das kann man auch im Sitzen ohne Belastung für den Bauch machen.
  15. Bauchlage darf und sollte frühzeitig versucht werden, um die Rückbildung der Gebärmutter zu fördern durch den Druck und auch um die Wundheilung zu unterstützen. Narben brauchen etwas Druck, um gut zu heilen. Die Betonung liegt natürlich auf ETWAS.  Nach 5 Tagen darf man theoretisch auf dem Bauch liegen, aber das tut meistens noch recht weh. Wer es versuchen möchte, kann sich ganz dick mit Kissen unter dem Bauch polstern, so dass der Po und das Becken höher liegen als der Kopf. Also ein bißchen Berg ab. Als Alternative, wem das noch zu mulmig ist, gibt es die "halbe Bauchlage". Dafür polstert man am besten den Küchentisch oder die Fensterbank mit vielen Kissen und legt sich darüber. Man steht quasi halb und liegt halb. Weh tun soll dabei gar nichts. Bauchlage soll man in den ersten 2 Monaten täglich machen.
  16. Ab dem 5. Tag kann man auch anfangen die Narbe etwas in Bewegung zu bringen durch zum Beispiel etwas Rotation. A. Rotation des Oberkörpers im Sitzen nach links und rechts. So, dass es nicht unangenehm ist. Und b. durch Rotation der angestellten Beine in Rückenlage. Das heißt, einfach im Liegen die Knie anbeugen und mit den Knien etwas aus der Mitte nach links und rechts bewegen. Diese Bewegungen machen auf der Narbe etwas Zug, das heißt sie bewegt sich und damit wird die Durchblutung und die Heilung gefördert. Druck und Zug sind sind gut für eine gute Narbenbildung. Aber immer vorsichtig. Auch das kann man in den ersten 2 Monate täglich machen. Wenn es dann besser geht, mit immer ein wenig mehr Drehung.
  17. Zuhause nicht denken, man müßte wieder innerhalb kürzester Zeit topfit sein. Auch ohne Baby sind Bauch OPs wahnsinnig anstrengend und man muß aufpassen. Mit Kind ist das 100x so anstrengend. Holt euch Hilfe. Vielleicht sogar in Form einer Haushaltshilfe von der Krankenkasse.
  18. Mehr zur Wundheilung siehe unten.

 

Tipp bei Lage- und Positionswechsel:

  • Allein Beine ausstrecken und wieder ranziehen tut ja schon weh. Am besten man macht das mit der Ausatmung. Dann geht's einfacher.
  • Genauso das Aufstehen. Erst Luft holen und dann mit der Ausatmung hoch. Bauch dabei festhalten, Pipi anhalten und Po zusammen petzen.

Anti-Thrombose-Übungen:

Ganz genau heißt das "Pneumonie- und Thomboseprophylaxe":

  • Rückenlage, man bewegt die Füße auf und ab (die Füße, nicht die Beine) als Venenpumpe bis zum Anschlag 3x10 mal. Kräftig "Kupplung treten". Dann 3x ganz tief atmen. Dann wieder 3x10 mal die Füße, dann wieder 3x tief atmen. Und noch einmal 3x10 mal die Füße und noch einmal 3x tief atmen.
  • Füße kreisen
  • Hände auf und zu machen und über die Arme "pumpen"
  • Arme über den Kopf und Hände "pumpen"
  • dabei gut atmen

 

Schulterschmerzen nach Kaiserschnitt

 

Das ist für die meisten Patientinnen etwas, womit sie nicht rechnen. In den allermeisten Fällen klagen die Mamas direkt nach der OP über starke Schmerzen in einer oder beiden Schultern. Oder es kann nicht mehr richtig durchgeatmet werden oder es blockieren sich die kleinen Rippengelenke und der Rücken tut wahnsinnig weh.

Das kommt daher, dass immens auf den Brustkorb gedrückt werden muss, damit das Baby rauskommt. Das funktioniert nicht so einfach mit Bauch auf und Baby raus. Von allein passiert da nicht so viel. Oft legen sich die Assistenzärzte richtiggehend auf den Bauch, um das Baby nach unten zu schieben. Wie bei den Wehen im Prinzip. Irgendeine Kraft braucht es ja. Unten zwischen den Beinen steht der Operateur, der dann das Baby "entwickelt", also rausholt. Auch das ist nicht unbedingt eine sanfte Angelegenheit und braucht ziemlich Kraft.

Als Maßnahme ist super, wenn es auf der Wochenstation eine nette Physiotherapeutin oder Hebamme gibt, die mit einem leckeren Öl der Mama die Schultern und den Rücken massiert :)

Nach 1-2 Tagen ist das meistens besser.

 

 

Was aber tatsächlich nicht sein muss :

 

  • Es ist nicht zu erwarten, dass man in den ersten Tagen aufrecht stehen kann. Aber nach und nach langsam versuchen aufrechter zu gehen.
  • Es ist auch sicher nicht zu erwarten, dass man eine super Unterbauchspannung hinbekommt. Aber auch hier langsam versuchen als Übung während der Ausatmung den Unterbauch vom Hosenbund einzuziehen. Beim Einatmen wieder locker lassen
  • Bei aller Liebe zum Sport und zur Rückbildung.... das sind nicht die Dinge, die man in den ersten Tagen im Kopf haben muss. Zuallererst ist wichtig, sich mit dem Baby einzugewöhnen. Es gibt deutlich wichtigere Sachen als Übungen zu machen, wenn man total fertig und müde ist, mal abgesehen von den Dingen, die ich oben beschrieben habe, die dringend nötig sind, wie die Übungen zur Thromboseprophylaxe und die Atemübungen.
  • Die Wundheilung dauert 6 Wochen grob gesehen. Dann sind die Narben übungsstabil. Bis alles weitgehend stabil ist sind es 3 Monate. Bis man wieder schwanger werden darf 12 Monate. Das nennt man dann belastungsstabil. Bei "normalen" Bauch OPs, wie zum Beispiel einer Gebärmutterentfernung, ist nach 3 Monaten alles belastungsstabil. Hier kommen ja keine schwangerschaftsbedingten Rückbildungs-Prozesse und Hormone dazu, die sämtliches Gewebe weich und instabil machen. (Wobei nach einer Gebärmutterentfernung natürlich direkt die Wechseljahre eingeleitet werden, was auch mit Hormonveränderungen einhergeht)
  • Und auch Stillen löst aus, dass das Gewebe weich bleibt. Die Hormonumstellung kann nach dem Abstillen nochmal bis zu 6 Monaten dauern. Im ersten Jahr nach der Geburt allerdings zu erwarten, dass der Zyklus und alles wie vorher ist, ist zu viel erwartet. Und auch, wenn der Zyklus nach 4-5 Monaten wieder funktioniert, ist das Gewebe im ersten Jahr von innen und außen "traumatisiert" und geschädigt. Das ist bei einer Spontangeburt nicht anders. Vorsichtsmaßnahmen, was das Heben und Tragen angeht, gelten in gleichem Maße.
  • Baby im Maxicosi tragen ist zu schwer. Nicht nur wegen der Narbe, auch wegen dem weichen Beckenboden. Auch, wenn man nicht vaginal geboren hat, ist das Gewebe innen und außen durch die Hormonlage, instabil und weich.
  • Joggen und andere solche Sportarten sind im ersten Jahr Tabu ! Und danach muß man zuallererst mal Muskeln aufbauen, bevor man wieder los rennen kann. Sonst hält da nix. Die Gefahr von Gebärmutter- oder Blasensenkungen ist einfach viel zu groß.

Ich kann es nicht oft genug sagen: Paßt gut auf Euch auf und macht nicht zu viel. Alles zu seiner Zeit. 

Nicht verrückt machen, wenn nach 3 Monaten nicht alles ist wie vorher. Es wird auch höchstwahrscheinlich nicht nach 6 oder 9 Monaten wie vorher sein. Auch forciertes Bauchmuskel - und Beckenbodentraining kann und soll warten. 

 

 

Das erste Ziel ist, wieder auf die Beine zu kommen und den Kreislauf anzuregen.

Das nächste Ziel ist, die Wundheilung so zu fördern, dass die Narben gut und stabil verheilen mit möglichst wenig Verwachsungen.

Wochenbett heißt Wochenbett, weil man im Bett bleiben soll.

 

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