Gebärmuttersenkung nach der Geburt

50% ALLER FRAUEN, DIE GEBOREN HABEN, HABEN EINE SENKUNG DER BECKENORGANE !!

Ich wiederhole:

50% ALLER FRAUEN, DIE GEBOREN HABEN, HABEN EINE SENKUNG DER BECKENORGANE !!

50% !!! Das muß man sich mal überlegen. Das ist die Hälfte alle Mütter.

10 % davon benötigen im Laufe ihres Lebens irgendwann eine OP.

30% davon werden re-operiert. Meistens, weil die Frauen auch dann, wenn sie operiert sind, nicht auf sich Acht geben, schwer heben und tragen und viel zu viel körperliche Arbeit leisten. Dazu kommt meistens noch die Instabilität des gesamten Körpers und auch des Beckenbodens (wobei der nicht immer alles retten kann).

(Quelle: http://www.ics.org/publications/ici_3/v2.pdf/chap21.pdf)

 

Das ist tragisch und die Frage kommt auf: MUSS DAS SEIN? 

In vielen Fällen sind es tatsächlich die Umstände und leider die ungünstigen körperlichen Bedingungen, die die Vorfälle begünstigen.

Gerade frisch nach einer Geburt ist das Gewebe so weich und instabil, da muß man einfach aufpassen und die richtigen Maßnahmen ergreifen. Konsequent. Man kann so viel selbst dazu beitragen, dass es besser wird oder erst gar nicht schlimmer wird oder auch im späteren Alter gar nicht erst passiert. 

Fehlt es an Aufklärung? An Wissen? An Disziplin? An mangelndem Zuhören? Sind die Ärzte schlecht? Sind die OPs schlecht? Sind die Physios schlecht? Sind die Hebammen schlecht? Sind Frauen immer überlastet? Ist das Training zu langweilig? Sind's die Gene? Ist es Schicksal? Ist das kollektive Unbewußte im Mittelalter stehen geblieben? Wer oder was ist Schuld?

Auch, wenn das sehr jetzt sehr krass klingt. 

 

Die Symptome sind nicht schön und meistens lebenseinschränkend. Eine OP ersetzt kein gesundes Organ. Kaputt ist kaputt. Es ist eine Reparatur und kein neues Auto.

Dennoch erlebe ich es so oft, dass Frauen, auch recht junge Frauen, nicht bereit sind irgend etwas an ihrem Lebensstil zu ändern. Es gibt heutzutage unwahrscheinlich viel Möglichkeiten Unterstützung zu bekommen. Im Notfall auch eine Umschulung von Köchin, Getränkehändlerin oder Servierkraft im Restaurant auf etwas Ungefährlicheres. Jeden Tag höre ich die Geschichten warum "es nicht geht". Ist die eigene Gesundheit so wenig wert? 

Aber nicht nur Frauen mit schweren körperlichen Jobs sind gefährdet. Mütter von 3 Kindern, die zuhause sind, genauso. Ein Kind reicht schon. Die ganze Rumschlepperei und man hat so gar keine Zeit sich um sich zu kümmern. Nicht mal 10 Minuten am Tag?

 

UNTERSCHÄTZT NICHT DIE WICHTIGKEIT VON RÜCKBILDUNGSKURSEN UND AUFBAUTRAINING NACH GEBURTEN. Vor allem Aufbautraining, das funktionell und ungefährlich ist. Nicht Bootcamp Training, Training mit Gewichten und Joggen. Pilates, Yoga, Aerobic und all diese Sachen sind dafür nicht geeignet.

Gerade nach einer Geburt ist das am allerwichtigsten. Fast nie im Leben ist der Körper so weich und instabil, und fast nie im Leben muß eine Frau so leistungsfähig sein und so viel tun.

Nicht nur das Kind ist wichtig. Ihr auch! 

Genügend Schlaf, gesunde Ernährung, dem ist-Zustand angemessenes körperliches Verhalten, schonendes und sicheres Aufbautraining, Wellness, Pflege, Spaß und Quatsch sind auch möglich mit Kind. 

 

UNTERSCHÄTZT NICHT DIE SPÄTFOLGEN KÖRPERLICHER VERNACHLÄSSIGUNG

Viele Symptome treten erst nach Jahren auf. Jahrelanges Mutter-Burn-Out und Raubbau am Körper, Gewichtstraining, falsche Jobs (leider), Joggen im ersten Jahr nach der Geburt, Joggen ohne vorher Muskeln aufgebaut zu haben und die vielen anderen belastenden Dinge, bleiben selten in den Klamotten hängen. Nach dem dritten Kind ohne Rückbildungskurs, ohne Verhaltensmaßnahmen und Vorsorge, mangelndem Training und Selbstpflege und vielleicht noch Joggen, ist der Schaden selten klein und manchmal auch irreversibel.

Die richtigen Verhaltensmaßnahmen sind schon Gold wert.

Natürlich ist in manchen Ausnahmefällen leider mancher Schaden am Beckenboden nach einer Geburt wirklich so schlimm, dass die Ansatzstellen der Muskulatur sich vom Knochen abgelöst haben oder abgerutscht sind, dass auch das beste Training für den Moment nichts mehr hilft. Da braucht es viel Geduld, Heilung und Regeneration und kein Hauruck-Training.

Das ist als wenn man einen Bizeps durchschneidet und erwartet, dass man den Arm heben kann. Aber dann darf man nicht 15 Kilo Kinder und 20 Kilo Blumenerde Säcke durch die Gegend schleppen und es einfach ignorieren. Das braucht sehr viel Pflege und eben die richtigen Verhaltensmaßnahmen.

Ich bin nur so streng in meiner Beurteilung, weil ich tagtäglich im Krankenhaus die Folgen von nicht eingehaltenen Verhaltensmaßnahmen sehe. Es gäbe halb so viele OPs.

 

Viele Symptome kann man durchaus verhindern !!!! Man muß es halt auch machen....

Uterusprolaps = Vorfall der Gebärmutter

Beim Gebärmuttervorfall geben die unterstützenden Strukturen im Becken nach, und die Gebärmutter senkt sich in die Scheide ab. In den meisten Fällen befinden sich auch andere Beckenorgane (die Blase zum Beispiel) nicht mehr in ihrer normalen Position.

Normale Anatomie der Beckenorgane

 

 

Gebärmuttervorfall / Senkung

Stadium 1

 

 

Gebärmuttervorfall / Senkung

Stadium 2

 

 


Gebärmuttervorfall

Stadium 3

 

 

Gebärmuttervorfall

Stadium 4

 

 


Symptome einer Gebärmuttersenkung

  • Druck- oder Schweregefühl in der Scheide
  • Fremdkörpergefühl in der Scheide
  • Vorwölben von Gewebe am Scheidenausgang
  • Scheidenwinde
  • Schwierigkeiten einen Tampon einzuführen oder zu halten
  • Schmerzen in der Scheide
  • Blutungen
  • Veränderung der Beschwerden im Verlauf des Tages oder bei Belastung
  • Entleerungsprobleme der Blase oder des Darms 
  • Probleme beim Sex

 

 

Eine Beckenbodenschwäche oder eine Senkung des Beckenbodens bedeutet nicht gleichzeitig auch eine Senkung der Beckenorgane.

Wer einen schwachen Beckenboden hat, muß nicht zwingend auch eine Absenkung der Organe haben. Also keine Angst. Auch umgekehrt bedeutet eine Senkung der Gebärmutter nicht gleichzeitig, dass die Beckenbodenmuskulatur schwach ist. Wobei das eine oft auch mit dem anderen einher geht...... um die Verwirrung komplett zu machen. Mit zunehmender Senkung wird meistens auch ein zunehmend schwacher Beckenboden beobachtet.

Die "Voraussetzungen" für eine Senkung oder eine Schwäche sind meistens gleich.

Eine Senkung des Beckenbodens und/oder der Beckenorgane kann durch chronischen Überdruck von oben verursacht werden. Ständiger Druck von oben führt zu einer Überdehnung des Damms, der Beckenboden-Faszie und der Sphinkter Muskeln, also der Verschlußmuskulatur.

Überdehnung entsteht nicht nur durch Pressen bei einer vaginalen Geburt, sondern auch durch starkes Pressen beim Stuhlgang, ausgelöst durch chronisch schlechte Verdauung und VOR ALLEM  durch schweres Heben.

Schweres Heben ist als Frau Gift für die Beckenorgane und den Beckenboden, weil Frauen dazu einfach nicht gemacht sind. Frauen haben im Beckenbereich viel weniger stützende Muskulatur als Männer, da sie ja während einer Schwangerschaft Ausdehnungsmöglichkeiten im Becken brauchen. Männer brauchen das von Haus aus nicht, sie sind viel stabiler und fester im Becken. 

Überdehnt werden können nicht nur die Muskulatur und das Bindegewebe, sondern auch die dazugehörigen Nerven. Schwangerschaft, vaginale Geburten und generell die natürlichen Alterungsprozesse begünstigen leider eine Beckenbodenschwäche und Absenkungen. Frauen, die Kinder geboren haben sind meistens öfter betroffen. Trotzdem trifft es genauso auch Frauen, die kinderlos sind.

 

Das heißt aber noch lange nicht, dass es zu Absenkungen kommen muß, nur weil man altert oder geboren hat !!!! 

Es gibt viele Dinge, die der eigenen Kontrolle unterliegen. Man muß sie nur einhalten.

DESHALB GUT AUFGEPASST !!!! 

 

Es braucht "das richtige" Training, das nicht zu viel Druck im Bauchraum aufbaut und den Beckenboden und die Organe nicht noch zusätzlich stresst.

Die "Sofortmaßnahmen"  bei Senkungen und Vorfällen findest Du hier.

Doch sei angemerkt, man kann nicht alles einfach "wegturnen". Manche Senkungen sind zu weit fortgeschritten oder das Bindegewebe/Muskulatur baut sich einfach nicht mehr auf, egal wieviel Beckenbodentraining man macht. Und, wenn die Gebärmutter von innen heraus abrutscht und es von dort her  keinen Halt mehr gibt, kann manchmal auch der beste Beckenboden nicht alles abfangen. Leider ist in diesen Fällen der Beckenboden meistens  eh nicht mehr stabil.

Da muß dann der ärztliche Fachmann sinnvolle Maßnahmen einleiten wie zum Beispiel eventuell ein Pessar anpassen und einsetzen o.ä. oder in letzter Instanz eben zu einer OP raten.

 

Nur noch einmal zur Klarheit:

  • Ein schwacher Beckenboden führt NICHT zwangsweise zu einem Prolaps der Organe.
  • Einen schwachen Beckenboden kann man trainieren mit der richtigen Anleitung vom Profi und im richtigen Maß. Viel hilft nicht immer viel. Konsequenz ist besser als zu viel Intensität.
  • Manche Beckebodenverletzungen sind so schwerwiegend, dass die Muskulatur keine Kraft aufbauen kann, egal wie sehr man sich bemüht. Verhaltensmaßnahmen lindern Symptome und verhindern Schlimmeres.
  • Ein Prolaps kann nicht immer mit Beckenbodentraining abgefangen werden. Aber disziplinierte Einhaltung von Verhaltensregeln lindern Symptome deutlich und verhindern Schlimmeres.
  • Viele leichte Absenkungen sind beschwerdefrei. Sollten aber ernst genommen werden, damit nicht Jahre später das Grauen groß ist. Verhaltensmaßnahmen und adäquates Training ein Leben lang müssen durchgeführt werden.
  • Auch nach der Entfernung der Gebärmutter, kann es zu weiteren "Vorfällen" kommen. Nämlich, wenn die Scheidewand runterrutscht und im schlimmsten Fall, wenn dann der Dünndarm mit nach unten rutscht und unten raus kommt. (Das sind wahre Geschichten aus dem echten Leben!!!)

Beispiel konservative Maßnahme Würfelpessar aus Silikon

Abb. a: Prolaps der Gebärmutter. Wie man sieht wird auch die Blase mit in Leidenschaft gezogen und "abgeknickt".

Abb. b: Durch den Würfel wird die Gebärmutter zurück geschoben und die abgeknickte Blase kann wieder in Normalposition arbeiten.

Bilder aus dem Lehrbuch "Physiotherapie in der Gynäkologie".

 

Es gibt verschiedene Arten, Größen und Formen von Pessaren, die vom Arzt angepasst werden. 

Es ist durchaus möglich mit diszipliniertem, konsequenten Beckenbodentraining und den richtigen Verhaltensmaßnahmen nach 3-6 Monaten eventuell auf kleinere Größen umzustellen oder den Würfel nur noch zum Sport benutzen zu müssen.

 

Für alle Betroffenen: DRANBLEIBEN !!!!!!! Es dauert eben manchmal ein bißchen und die Konsequenz machts. Aber das sollte es wert sein. Es gibt nur einen Beckenboden und eine Gebärmutter. Die Lösung muß nicht immer gleich "raus damit" sein. Jedes Organ dient seinem Zweck. Dennoch manchmal geht es nicht anders. Das muß dann mit dem Gynäkologen besprochen werden.

 

 

 

Informiere dich weiter: