Was Stress (nicht nur) in der Schwangerschaft mit dem Hormonsystem anstellt und der kleine Notfall Plan zur Ersten Hilfe

Es gibt nichts, das das Hormonsystem mehr durcheinander bringt als ungemanagter Stress

Stress an und für sich ist nicht zwingend eine schlechte Sache. In einer gesunden Dosis kann er uns zu ungeahnten kreativen Höhenflügen und Produktivität animieren.

Der Schlüssel ist allerdings, den Stress so zu managen, dass er nicht außer Kontrolle gerät und dann alle möglichen Gesundheitsprobleme und Hormon-Desaster anrichtet.

 

Nicht nur im "normalen" Leben ist das von großer Bedeutung, ganz besonders auch in der Schwangerschaft.

 

Ein hohes Stresspensum während der Schwangerschaft kann zum Beispiel verhindern, dass sich das Baby in der Endphase dreht und somit die Geburt nicht wirklich einfach verläuft.

Zusätzlich werden solche Babys mit einem erhöhten Cortisol Spiegel geboren, was nicht selten zur Entwicklung von "Schreibabies" beiträgt. Hierzu sind spezifische Studien im Gange. Den Babies wird am Tag nach der Geburt eine Speichelprobe entnommen und so wird der Gehalt des Cortisols ermittelt. Mehr zum Thema Cortisol kommt nach dem "Erste Hilfe Plan" unten auf der Seite.

#1 : Keinen Kaffee mehr trinken

Das ist wahrscheinlich das Schwierigste.

Kaffee trinken bringt kurzfristig einen Energieschub, aber der Preis auf die lange Sicht ist nicht ganz ohne. Zusätzlich dazu, dass er die Cortisol Ausschüttung in die Höhe treibt, dehydriert es den Körper auch, stellt die Gefäße eng und vermindert damit den Blutfluss, verschlechtert die Schlafqualität (sogar anscheinend wenn früh am Morgen in kleinen Dosen Kaffee konsumiert wird)

 

Am besten wäre es sich das Kaffee trinken langsam abzugewöhnen oder zumindest die kleinstmögliche Portion davon zu trinken, die die Produktivität unterstützt und dennoch nicht der Gesundheit schadet.

Auch schwarzer Tee sollte auf Dauer vermieden werden, aber für den Anfang ist das ok. Man kann anstatt Kaffee erstmal 4 Wochen schwarzen Tee trinken und danach dann auch den schwarzen Tee abbauen und auf Kräutertees umsteigen.

Das ist am Anfang sicher eine Herausforderung, aber man merkt tatsächlich innerhalb weniger Wochen, dass der Schlaf erholsamer ist, dass über den Tag verteilt mehr Energie vorhanden ist und dass der Allgemeinzustand entspannter ist.

#2 : Yoga machen, leichte Bewegungen, dehnen - oder einfach mal atmen

Yoga lässt nachweislich den Serotonin Spiegel im Körper steigen. Serotonin ist die "Happy Chemikalie" im Gehirn. Es ist verantwortlich für die Stimmung, den Schlaf und den Appetit.

Für Frauen ist das besonders wichtig, da wir 52% weniger davon haben als Männer, laut einigen Experten.

Yoga ist eine wunderbare Art sich zu bewegen und vom Kopf zurück in den Körper zu kommen und abzuschalten. Die Übungen kräftigen nicht nur, sie halten auch beweglich auf die lange Sicht.

Und speziell die Atemübungen sind nicht nur zum Runterkommen wichtig, sondern durch die vermehrte Sauerstoffaufnahme hilft es Schlackstoffe abzuatmen und das Blut mit frischem Sauerstoff zu versorgen, was wiederum für die neue Zellbildung im Körper wichtig ist. Und wir bestehen ja schließlich nur aus Zellen.

Yogakurse für Schwangere biete ich ab März 2017 in der Hedwigsklinik an.

#3: Schlafen! Schlafen! Schlafen!

Mindestens 7-9 Stunden oder mehr. Manche Menschen brauchen 10-12 Stunden,

Gerade nach und in heftigen Stressphasen braucht der Körper extrem viel Schlaf.

Menschen, die ein Sabbatical machen, schlafen in der ersten Zeit wahnsinnig viel bis sich der Körper wieder umgestellt hat auf "normal", was er ja seit langem nicht mehr kennt.

Schlaf ist natürlich gerade NACH der Schwangerschaft, wenn das Baby da ist, die totale Herausforderung. Und gerade dann, wenn der ganze Körper heilen und sich nach den Strapazen einer Schwangerschaft und einer Geburt erholen muß, ist es ganz wichtig zwischendurch das Baby kurz abzugeben und zu schlafen. Oder sich vielleicht sogar mal für eine Nacht in ein Hotel einmieten für ungestörten Schlaf. Es ist nur eine Nacht....... da stirbt niemand und bekommt auch niemand ein Psychotrauma ;) hochgerechnet auf das ganze Leben sicher nur ein ganz kleiner Zeitanteil.

 

Schlaf ist essentiell wichtig, um das Hormonsystem und das vegetative Nervensystem wieder auszugleichen. Nachts brauchen wir das Parasympathische System, das "Ruhe und Verdauung" regelt. Schlaf macht also auch schlank , wenn man es genau nimmt.

Bei erhöhter Cortisol Ausschüttung ist das Sympathische System dauerhaft auf "Kampf und Flucht" eingestellt.

Nachts entgiftet unser Körper und kann so auch heilen.

Für natürliche Schlafhilfsmittel, falls es nicht anders geht (wie z.B. Melatonin) kann man immer den Arzt befragen.

#4 : Raus in die Natur, spazieren gehen, Sauerstoff und Ruhe tanken

Gemütliche Bewegungen in schöner Umgebung. Beruhigt ungemein.

#5 : Massage buchen, Wellness machen, Sauna, schwimmen gehen

Alles, das Körper und Geist runterkommen läßt, ist gut. 

In Stressphasen ist das das Beste. Im Gegensatz zu richtig anstrengendem Sport, der den Körper noch zusätzlich auspowert. Ganz oft denkt man im Stress, dass man jetzt unbedingt mal wieder Sport machen müßte oder man macht eh viel Sport und ist die ganze Zeit eigentlich "total drauf" und denkt, dass man das braucht, um den Kopf klar zu bekommen. Dagegen spricht ja auch nichts. Manchmal hilft es das Adrenalin "abzurennen".

Es muß nur unbedingt Gelegenheiten geben, um runter zu kommen, sonst geht der Schuss irgendwann nach hinten los, weil Sport bedeutet Adrenalin/Cortisol Ausschüttung und das bedeutet Stress im Stress. Gerade bei Abend-Sport schläft man hinterher oft nicht so toll, weil man zu aufgedreht ist. Eine Massage nach der Arbeit wäre da angebrachter.

#6 : Den Körper mit Nährstoffen unterstützen

Es gibt eine ganze Anzahl an Supplementen, die nachweislich den Cortisol Spiegel ausgleichen. So zum Beispiel:

Omega 3: Fisch-Öl

Omega 6: Nachtkerzen-Öl

Rhodiola: Rosenwurz

 

Bei dauerhafter Müdigkeit ist es nie verkehrt den Vitamin D Spiegel, den Ferritin Spiegel und den Vitamin B Spiegel bestimmen zu lassen und, wenn nötig zu, supplementieren.

In Stressphasen ist der Bedarf an "Stoff" oft höher als die, von den Laboren als "normal" bezeichneten Werte. Wenn die Werte am Unterrand des "Normalwertes" sind, lohnt es sich immer etwas zu nehmen.

Aber auch da, bitte mit dem zuständigen Arzt besprechen.

Cortisol - das vorrangige Stresshormon

Cortisol ist das Hormon, das das Hungergefühl regelt, die Verdauung, den Blutdruck, den Wach-Schlaf-Rhythmus, die körperliche Aktivität und die Fähigkeit mit Stress umzugehen (scheint fast paradox).

Bei akutem Stress schüttet der Körper eine Dosis Cortisol aus, damit wir kurzfristig mehr Energie haben, wacher sind, aufnahmefähiger und aktiver sein können. In gefährlichen Situationen ist das durchaus wünschenswert und lebensnotwendig und das ist es auch, was uns morgens aus dem Bett aufstehen lässt. Es ist gesund und von Vorteil........ wenn es nicht dauerhaft ist!

 

Die Krux an der Sache ist, dass bei manchen Menschen, heutzutage höchstwahrscheinlich fast bei den meisten, die Cortisol Ausschüttung nie aufhört. Chronischer Stress kann zu einem dauerhaft erhöhten Cortisol Spiegel im Blut führen oder auch zu Schwankungen zwischen zu hoch und zu tief, oft innerhalb von Stunden am gleichen Tag.

Und was noch schlimmer ist, dass viele von uns so an diese Hormon Un-Balance gewöhnt sind, dass es schon als normal erscheint. Wir trinken Kaffee zum Aufwachen, wir trinken Wein zum Einschlafen, wir glorifizieren "beschäftigt sein" und "keine Zeit haben" und arbeiten bis zum Umfallen.

Und dann wundern wie uns warum wir uns müde, ausgepowert und gleichzeitig zu aufgedreht zum Schlafen fühlen und warum wir immer mehr Gewicht zulegen.

Der Langzeit-Effekt einer Cortisol Dysbalance

Ein auf Dauer erhöhter Cortisol Spiegel wird in Verbindung gebracht mit hohem Blutdruck, Diabetes, vermehrtem Bauchfett, Veränderungen des Gehirns (Vergesslichkeit, Demenz), Depression, Schlaflosigkeit und schlechter Wundheilung.

 

Tatsächlich haben die Fettzellen im Bauch vier mal soviel Cortisol Rezeptoren wie andere Fettzellen im Körper. Mit steigendem Stress unterstützen wir also gerade auch noch das, was wir gerne vermeiden würden, nämlich noch mehr Gewichtszunahme.

 

Wenn wir dauerhaft ausgepowert sind, kann der Körper irgendwann nicht mehr genug Cortisol bilden. Zu wenig Cortisol hat einen ebenso unerwünschten Effekt und wird in Verbindung gebracht mit Chronischem Fatigue-Syndrom, Fibromyalgie und verminderter Knochendichte, nur um ein paar zu nennen.

Das goldene Mittelmaß finden

Das Beste, das wir für unsere Gesundheit tun können, ist ein goldenes Mittelmaß zwischen zu hohem und zu niedrigem Cortisol Spiegel zu finden und diesen so lange es möglich ist so balanciert wie möglich zu halten.

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