Warum Schmerzen in der Schwangerschaft entstehen können und das Hormon Relaxin

Zum einen ist es natürlich die Veränderung der gesamten Statik des Körpers und die doch schon massive "Ladung" die hinzu kommt. Die "Raumforderung" sozusagen.

Das wachsende Baby macht sich Platz, wo es nur kann egal, ob die Strukturen der Lendenwirbelsäule, Brustwirbelsäule, der Rippen und vor allem des Kreuzbeingelenks schon ein Leben lang fest und unbeweglich waren. Oder vielleicht sogar überbeweglich. Was nicht selten zu einem Instabilitätsgefühl führt.

Zum zweiten sind es die veränderten muskulären Verhältnisse. Die "Hebelverhältnisse" im Körper ändern sich völlig. Die langen Rückenstrecken müssen mit zunehmender Schwangerschaft viel, viel mehr halten als zuvor, da die Bauchmuskeln in ihrer überdehnten Position nicht mehr so viel leisten können. Die überspannten Rückenstrecker ziehen das Kreuz in eine Hohlkreuzposition, in der es vorher nicht war oder zumindest nicht so ausgeprägt.

Zum dritten gibt es da auch noch ein Hormon, das eine wesentliche Rolle spielt.

Relaxin.

Relaxin ist ein Hormon, das eine wichtige Rolle im weiblichen Fortpflanzungssystem spielt. Es wird in den Eierstöcken gebildet und während der Schwangerschaft auch in der Plazenta. Zur Vorbereitung auf die Geburt entspannt es die Bänder im Beckenbereich und macht den Muttermund weich und weit.

Während des Zyklus steigt der Relaxin-Spiegel im Blut nach dem Eisprung in der zweiten Zyklushälfte an, um die Wand der Gebärmutter zu entspannen, um Kontraktionen zu verhindern und um somit eine mögliche Schwangerschaft vorzubereiten.

Wenn keine Schwangerschaft "stattfindet", fällt der Relaxin-Spiegel wieder.

 

In der Schwangerschaft ist der Relaxin-Spiegel im ersten Trimester am höchsten. Man nimmt an, dass es dem Fötus so hilft  sich in die nun weichere Gebärmutterwand gut einzunisten und das Wachstum der Plazenta zu fördern. Im frühen Stadium der Schwangerschaft verhindert es Kontraktionen der Gebärmutter, damit keine frühzeitige Geburt ausgelöst wird.

Es hilft dem Körper der Mutter sich an die vielen Umstellungsprozesse während der Schwangerschaft anzupassen wie z.B. entspannt es die Blutgefäße der Mutter, damit eine gute Blutzufuhr zur Plazenta stattfinden kann und sich das ganze Herzkreislaufsystem und Nierensystem der Mutter an die höhere Leistung anpassen kann. Sauerstoffaustausch, Abfallwirtschaft, Wasserhaushalt für zwei.

Zum Ende der Schwangerschaft hin soll Relaxin dafür sorgen, dass die den Fötus umgebenden Membranen "aufbrechen", dass der Gebärmutterhals, der Scheidenschlauch und die Bänder im Beckenbereich  weich werden, um den Körper auf die Geburt vorzubereiten.

Die vielen genauen Trigger-Mechanismen der Geburtseinleitung werden noch erforscht.

Es gibt übrigens auch bei Männern Relaxin. Hier wird es in der Prostata hergestellt

 

Relaxin ist aber auch noch für viele andere Dinge im Körper zuständig. Es gehört zur selben Hormongruppe wie Insulin und soll unter anderem bei der Wundheilung helfen und verhindern, dass Narbengewebe in Herz, Leber, Nieren und Lunge nach einer Entzündung zu stark fibrosiert. Das heißt unbewegllich und starr wird.

Es soll auch an der Regulierung des Blutdrucks beteiligt sein, indem es die Gefäße weit stellt und entspannt und die Bildung neuer Gefäße fördert. Die genauen Mechanismen werden zur Zeit noch erforscht, machen Relaxin aber zum Kandidaten es therapeutisch bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen einzusetzen.

Quelle: http://www.yourhormones.info/hormones/relaxin.aspx