Nicole Frank

Physiotherapeutin.

Bei der Arbeit ......

Als ich vor so ca. 25 Jahren meine Ausbildung zur Physioterapeutin angefangen habe (heute 2016), hätte ich niemals gedacht, dass ich "in der Gyn" landen würde. Wer hätte gedacht, dass das "mein Thema" werden würde. Ich sicher nicht. In der Physio-Ausbildung ist das das letzte Thema, mit dem sich irgend jemand beschäftigen will. Es ist langweilig und fade......und es wird nur geatmet...hab ich auch gedacht, damals. Orthopädie, Unfallchirurgie und Sportphysiotherapie, da will man hin. Nur wer Sportler behandelt, ist ein echter Physio ;)  denkste...

Auch heute ist das noch so an den Schulen. In der Physio-Welt ist "die Gyn" und die Wochenstation ein vollkommen vernachläßigtes Gebiet.

Seltsam eigentlich, wo doch 80% aller Physios und 50% der Weltbevölkerung, Frauen sind. Und noch seltsamer, weil sehr viele späte Probleme wie Bandscheibenvorfälle, chronische Rückenschmerzen, chronische Beckenschmerzen, Inkontinenz, Senkungen der inneren Organe, Hüftprobleme, Schulternackenprobleme, Migräne, Hormon-Dysbalancen, Burn Out und so unsagbar viele Symptome mehr, genau hier anfangen. Im Wochenbett oder auf einer gynäkologischen Station nach einer OP (hier meistens natürlich schon vorher, sonst wäre ja keine OP nötig).

 

Mir wurden all diese Zusammenhänge auch erst klar, nachdem ich tatsächlich angefangen habe, in der Frauenklinik zu arbeiten. "Auf der Gyn" zu arbeiten war auch damals nicht mein erstes und gewünschtes Ziel, er war aber der nächstbeste Job, nachdem ich meine Praxis verkauft hatte und erstmal einen Gang runterfahren wollte, nach jahrelanger gefühlter "Minenarbeit im Schacht für kein Geld".

Der Gyn-Job erschien mir da erstmal das Leichteste und Einfachste, wie ich ja aus der Ausbildung vor 100 Jahren noch in Erinnerung hatte. 

Dass es sich aber zu einem wundervollen, tollen und sehr erfüllenden Job, mit einem, wie ich jetzt weiß, unwahrscheinlich wichtigen Themengebiet, entwickeln würde, der auch noch wahnsinnig viel Spaß macht, hätte ich wirklich nicht gedacht.

Ich bin unglaublich froh und auch irgendwie privilegiert, dass ich aus nächster Nähe miterleben kann, was ab dem Zeitpunkt der Geburt und lange davor schon, mit den Frauen, ihrer Gesundheit, ihrem Innenleben (in jeder Hinsicht) und dem weiteren Verlauf ihres Lebens, nach dem Aufenthalt in der Klinik, so alles passiert. Und vor allem bin ich froh, dass ich jede dieser Phasen mitbekomme und die Frauen dementsprechend qualifiziert beraten und behandeln kann. Und wenn mir mal zu einem Thema nichts mehr einfällt und alle meine Wissensquellen erschöpft sind, habe ich immer eine Fachperson/Arzt/Hebamme/Krankenschwester/Stillberatung um mich rum, die ich jederzeit fragen kann.

Viele, die ich in der Klinik schon betreut habe, kommen zu mir in den Rückbildungskurs oder in die Praxis zur Behandlung hinterher. Oder andersrum, viele kommen schwanger in die Praxis zur Behandlung und nach der Geburt zum Kurs oder weiter zur Behandlung. So bin ich quasi in jeder Phase immer auf dem Laufenden. Ich arbeite übrigens in meiner alten Praxis nachmittags. So ganz Abschied nehmen wollte ich dann doch nicht. Deshalb steht mein Name nicht mehr an der Tür. Es wundern sich immer wieder Leute.

 

Vielleicht ist das "Gyn" Thema deshalb auch heut immer noch so vernachlässigt, weil die ganze Welt einfach zu hart ist. Und keine Besserung in Sicht. Es ist unwahrscheinlich schwierig sich auf "warm, weich, verletzlich, empfindlich" einzulassen. Die Welt und das Unterbewußtsein sind geprägt von "schneller, weiter, mehr und bis zum Umfallen". Egal, welche Konsequenzen das hat.

Das passt aber leider nicht zu Frauen, Schwangeren, Gebärenden und Müttern.

Und so verlaufen leider auch manche Geburten und eben die Zeit danach.

So entsteht massiver Druck, Überforderungen, Stillprobleme, Mütter-Burn-Out, Depressionen.

Die Hebammen haben das schon lange kapiert. Und ich finde es wahnsinnig beruhigend, dass es noch "Kräfte" gibt, die diesem Wahn entgegenwirken.

 

Und so hab ich es auch irgendwie zu meiner Mission gemacht, da ein bißchen etwas beizutragen. 

Aufklärung und Behandlungen, die passen, die für Frauen und ihrer Situation entsprechend angemessen sind. Und nicht Bootcamp-Training bzw. Bootcamp-Behandlungen, für Schwangere und frisch gebackene Mamas. Dieser ganze Wahnsinn, der verbreitet wird. 

Ich möchte das anders haben und anders anbieten. So ist auch das Arbeiten viel entspannter, gemütlicher und macht mehr Spaß. Mir zumindest.

 

Sogar in meinen unzähligen, nicht zu erwähnen unsagbar teuren, Fortbildungen zum Thema Wochenbett, Gynäkologie und Urogynäkologie, waren die einzigen Fortbildungen, die in dem Zusammenhang "angemessen weiblich" waren, die von Hebamme Sabine Friese-Berg.

Alle Physio-Fortbildungen zum Thema waren, wie die meisten Physio-Fortbildungen generell, eher hart, sachlich und fachlich. Das hat sehr wenig zu tun mit "Frauen", nur mit "Wissen".

 

Es geht meistens nur um Inkontinenz und Übungen. Nie um Pflege, Massage, Runterkommen, Entspannen, sich wohlfühlen, ausgleichen, sich vorbereiten.

Auch hier: effektiv gearbeitet muß werden (das bedeutet in Physiokreisen "Übungen machen"). Mit Übungen allein kommt man aber leider nicht weit. Auch nicht bei Inkontinenz.

Das "Wissen" ist natürlich auch wichtig. Unbedingt und unerläßlich. Anatomie, Physiologie, Krankheitsbilder, OP Techniken usw. Aber die Herangehensweise in jeglicher Hinsicht, wie ich finde, sehr männlich-sachlich und die Darbietung wenig weich und weiblich.

Zum Glück hab ich Sabine Friese-Berg getroffen. Da hat sich mein Horizont noch mal unwahrscheinlich erweitert. Ganz besonders was das Hegen und Pflegen angeht. Und wie wichtig es ist, dem Körper Ruhe und Entspannung zu gewähren, während der Schwangerschaft, im ersten Jahr danach und überhaupt im Leben. Wunderbare Behandlungen kann man machen, damit sich der Körper in und nach der Schwangerschaft vorbereiten und regenerieren kann. Warm, weich, kreativ und bunt :) und ein bißchen weg vom "Physio-Denkschema". Und Sabine ist einfach eine menschliche Bereicherung.

Zum Thema Rektusdiastase mußte ich sogar Deutschland verlassen, weil das hier anscheinend niemand interessiert. Es ist wirklich erschreckend wie weit wir hier hinten dran sind. Unsere ganzen Englisch sprechenden Kollegen sind uns meilenweit voraus.

Aber das nur am Rande ;)

 

 

Hier bin ich zu finden:

Vormittags in der St. Hedwig-Klinik, Mannheim. Da kümmere ich mich um die stationären Behandlungen im Wochenbett, in der Gynäkologie und Urogynäkologie.

Nachmittags bin ich freiberuflich in der Praxis unterwegs.

 

Fortbildungen in

  • Beckenboden-Dysfunktionen, Physio Pelvica
  • Effektive manuelle Behandlungen und Hilfen in Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett bei Sabine Friese-Berg
  • Advanced CPD in Modern Post Natal Assessment, Core Restore & Functional Exercise Programming,
    Burrell Education
  • Advanced CPD in Modern Pregnancy Functional Exercise & Birth Preparation Programming, Burrell Education
  • Osteopathie, IFAO
  • Craniosacrale Osteopathie, Akademie Dieter Vollmer
  • Kieferbehandlung, CRAFTA, Harry von Piekartz
  • Manuelle Therapie nach Kaltenborn
  • Bobath für Erwachsene
  • Kinesio-Taping
  • Nervenmobilisation + The Sensitive Nervous System, David Butler, NOI
  • Funktionelle Bewegungslehre
  • Systemische Physiotherapie nach Sabine Mehne
  • Fußreflexzonentherapie
  • Mehrjährige Auslandsaufenthalte in der Schweiz und den USA, amerikanisches Physiotherapie-Examen
  • Langjährige Erfahrung als Physiotherapeutin in verschiedenen Einrichtungen und Praxen, als freie Mitarbeiterin und in eigener Praxis.