Nicole Frank

Physiotherapeutin.

Bei der Arbeit ......

Als ich vor so ca. 25 Jahren mit meiner Ausbildung zur Physioterapeutin fertig war, hätte ich niemals gedacht, dass ich "in der Gyn" landen würde. Wer hätte gedacht, dass das "mein Thema" werden würde. Ich sicher nicht. In der Physio-Ausbildung ist das das letzte Thema, mit dem sich irgend jemand beschäftigen will. Es ist langweilig und fade......und es wird nur geatmet...hab ich auch gedacht, damals. Orthopädie, Unfallchirurgie und Sportphysiotherapie, da will man hin.

Nur wer Sportler behandelt, ist ein echter Physio ;)  

OK, hab ich gemacht und es war ....  langweilig. Sportler haben immer das selbe. Und irgendwann denkst du nur noch "dann hör doch auf mit dem Sport, wenn du dauernd verletzt bist". 

Ich hab's sogar bis zur Turner(innen) WM geschafft als ich im Olympiastützpunkt Frankfurt gearbeitet habe. Sowas ist natürlich super spannend und ich seh das wahnsinnig gern. Aber Turnen ist halt auch komplett sinnbefreit gesundheitstechnisch. Da war Baseball 1. Bundesliga Betreuung schon tausendmal besser. Immer lustig, aber am Ende auch immer nur der Versuch der Behebung von Verletzungen, die nie besser werden konnten, bei den immer gleichen einseitigen, extremen Belastungen. Da fehlt mir dann auch irgendwann der höhere Sinn in der Aufgabe.

 

Zurück zur Gyn. Auch heute ist das noch so an den Schulen, dass das eins der völlig uninteressanten und unwichtigen Fächer ist. In der Physio-Welt ist "die Gyn" und die Wochenstation ein vollkommen vernachläßigtes Gebiet. Da hat sich wenig geändert. 

Seltsam eigentlich, wo doch 80% aller Physios und 50% der Weltbevölkerung, Frauen sind. Und noch seltsamer, weil sehr viele späte Probleme wie Bandscheibenvorfälle, chronische Rückenschmerzen, chronische Beckenschmerzen, Inkontinenz, Senkungen der inneren Organe, Hüftprobleme, Schulternackenprobleme, Migräne, Hormon-Dysbalancen, Burn Out und so unsagbar viele Symptome mehr, genau hier anfangen. Im Wochenbett oder auf einer gynäkologischen Station nach einer OP (hier meistens natürlich schon vorher, sonst wäre ja keine OP nötig).

 

Mir wurden all diese Zusammenhänge auch erst klar, nachdem ich tatsächlich angefangen habe, in der Frauenklinik zu arbeiten. In der Gyn zu arbeiten war auch damals nicht mein erstes und gewünschtes Ziel, er war aber der nächstbeste Job, nachdem ich meine Praxis verkauft hatte und erstmal einen Gang runterfahren wollte, nach jahrelanger gefühlter "Minenarbeit im Schacht für kein Geld".

Der Gyn-Job erschien mir da erstmal das Leichteste und Einfachste, wie ich ja aus der Ausbildung vor 100 Jahren noch in Erinnerung hatte. 

Dass es sich aber zu einem wirklich tollen und spannenden Job, mit einem, wie ich jetzt weiß, unwahrscheinlich wichtigen Themengebiet, entwickeln würde, der auch noch wahnsinnig viel Spaß macht, hätte ich nicht gedacht.

Ich bin unglaublich froh und auch irgendwie privilegiert, dass ich aus nächster Nähe miterleben kann, was ab dem Zeitpunkt der Geburt und lange davor schon, mit den Frauen, ihrer Gesundheit, ihrem Innenleben (in jeder Hinsicht) und dem weiteren Verlauf ihres Lebens, nach dem Aufenthalt in der Klinik, so alles passiert.

Und vor allem bin ich froh, dass ich jede dieser Phasen mitbekomme und die Frauen dementsprechend qualifiziert beraten und behandeln kann. Und wenn mir mal zu einem Thema nichts mehr einfällt und alle meine Wissensquellen erschöpft sind, habe ich immer eine Fachperson/Arzt/Hebamme/Krankenschwester/Stillberatung um mich rum, die ich jederzeit fragen kann.

Viele, die ich in der Klinik schon betreut habe, kommen zu mir in den Rückbildungskurs oder in die Praxis zur Behandlung hinterher. Oder andersrum, viele kommen schwanger in die Praxis zur Behandlung und nach der Geburt zum Kurs oder weiter zur Behandlung. So bin ich quasi in jeder Phase immer auf dem Laufenden. 

 

Vielleicht ist das "Gyn" Thema deshalb auch heute immer noch so vernachlässigt, weil die ganze Welt einfach zu schnell, zu hektisch und zu hart ist. Und keine Besserung in Sicht.

Wir sind geprägt von "schneller, weiter, mehr und bis zum Umfallen". Egal, welche Konsequenzen das hat. Da ist es unwahrscheinlich schwierig sich auf etwas einzulassen, das einen komplett anderen Umgang mit Zeit erfordert, wie eben Schwangerschaft, Geburt und Rückbildung.

Denn all das braucht eine ganz andere Herangehensweise als das "normale" Leben, das man vorher sonst so kannte. Es dauert alles wirklich lang und geht, gerade später in der Rückbildung dann, recht langsam voran. Wenn man das nicht weiß als frische Mutter, kann einen das schon bis an den Rand der Panik bringen, wenn der Körper nicht so funktioniert, wie man sich das vorgestellt hat. 

Das ist aber alles völlig normal. Und genau das ist es, was ich hier auf meiner Webseite an Information anbiete.

 

In kompletter Hektik, mit viel Streß und (Erfolgs-, Zeit-) Druck verlaufen leider auch nicht wenige Geburten und eben die Zeit danach.

So entsteht auch nach der Geburt ein massiver Druck, Überforderungen, Stillprobleme, Mütter-Burn-Out, Depressionen und viele Symptome mehr.

Die Hebammen haben das schon lange kapiert. Und ich finde es wahnsinnig beruhigend, dass es noch "Kräfte" gibt, die diesem Wahn entgegenwirken.

Nicht nur dem oft verbreiteten "Wahn" (oder Druck) eine tolle Geburt "abzuliefern", sondern auch dem oft wortwörtlichen Wahn, sich in den Sport und auf Diäten zu stürzen, damit der Bauch weg geht und man ganz schnell aussieht wie vorher.

 

Und so hab ich es irgendwie zu meiner Mission gemacht, da ein bißchen etwas beizutragen. 

Aufklärung und Behandlungen, die passen, die für Frauen und ihrer Situation entsprechend angemessen sind. Nicht Bootcamp-Training, Bauchmuskelntraining mit aller Gewalt und unangebrachtes Fitnesstraining für Schwangere und frisch gebackene Mamas. Dieser ganze Wahnsinn, der eben so verbreitet wird. 

Denn woher kommt denn die Vorstellung, dass nach sechs Wochen die "Mutti" wieder aussieht und funktioniert wie nie zuvor im Leben? Das ist ein echt uralter Irrglaube und ein echt richtiger Quatsch.

Ich möchte das anders haben und anders anbieten. 

 

Sogar in meinen ganzen Fortbildungen zum Thema Wochenbett, Gynäkologie und Urogynäkologie, waren die einzigen Fortbildungen, die in dem Zusammenhang "angemessen weiblich" waren, die von Hebammen Ausbilderin Sabine Friese-Berg.

Alle Physio-Fortbildungen zum Thema waren, wie die meisten Physio-Fortbildungen generell, eher nur sachlich und fachlich. Das hat sehr wenig zu tun mit "Frauen", sondern nur mit "Wissen".

Nicht etwa, wie man es der Wöchnerin angenehm macht. Ausschließlich wie "effektiv" gearbeitet wird, damit man "schnellstmöglich" zum "Ziel" kommt. (ich setze das in Anführungszeichen, weil ich das so absurd und unrealistisch finde).

"Symptome bekämpfen" und "an etwas arbeiten", als ob Rückbildung ein "Fehler im System" wäre.

Aber so ist das alles ja nicht.

Und in diesen Fortbildungen geht meistens nur um Inkontinenz und Übungen. Nie um Pflege, Massage, Runterkommen, Entspannen, sich wohlfühlen, ausgleichen, sich vorbereiten, wieder zurück in den Körper finden.

Eben nur um effektives Arbeiten. Und das bedeutet in Physiokreisen eben "Übungen machen".

 

Mit Übungen allein kommt man aber leider nicht weit. Auch nicht bei Inkontinenz. 

Das braucht immer ein Gesamtkonzept. Und gerade bei den Beckenbodenthemen braucht das viel mehr Sensibilität für all die anderen Bereiche des Lebens, die nicht "Übung" sind.

Das "Wissen" ist natürlich wichtig. Unbedingt und unerläßlich. Anatomie, Physiologie, Krankheitsbilder, OP Techniken usw. Aber die Herangehensweise ist oft in jeglicher Hinsicht, wie ich finde, sehr männlich-sachlich und die Darbietung wenig weich, weiblich und rückbildungsgerecht. Das macht so einfach nicht besonders viel Spaß und ist für mich zu unrealistisch in der Umsetzung in der Rückbildung. Da funktioniert der Körper eben anders als sonst. Da kann man keine klassische Trainingstherapie machen und ständig "Ziele" erreichen wollen. Da macht man sich ja noch mehr Druck und am Ende verrückt, wenn man merkt, dass es eben so gar nicht geht.

 

Zum Glück gibt es Sabine Friese-Berg. Sabines Fortbildungen am FBZ Bensberg kann ich nur wärmstens empfehlen für alle, die sich mit dem Thema näher beschäftigen wollen. Weg vom klassischen "Physio-Denkschema" und mal aus der Box raus denken lernen.

Da hat sich mein Horizont noch mal unwahrscheinlich erweitert. Ganz besonders was das Hegen und Pflegen angeht. Und wie wichtig es ist, dem Körper Ruhe und Entspannung zu gönnen, während der Schwangerschaft, in den ersten zwei Jahr danach und überhaupt im Leben. Wunderbare Behandlungen kann man machen, damit sich der Körper in der Schwangerschaft vorbereiten und danach regenerieren kann.  

 

Momentan arbeite ich ausschließlich "online" und betreue meine Leutchen in meinem Onlinekurs "Rückbildung mit Rektusdiastase".

Ich bin täglich auch "online" erreichbar bei Facebook und Instagram mit meinen "Wisdom Nuggets" zur Rückbildung. Ein bißchen Inspiration und Information jeden Tag, wer möchte.

 

Falls jemand eine Therapeutin für sich sucht, ich habe hier Therapeutenlisten.

 

 

 

 

Meine Fortbildungen

  • Beckenboden-Dysfunktionen, Physio Pelvica
  • Effektive manuelle Behandlungen und Hilfen in Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett bei Sabine Friese-Berg
  • Nachhaltige Wochenbettbetreuung, Sabine Friese-Berg
  • Advanced CPD in Modern Post Natal Assessment, Core Restore & Functional Exercise Programming,
    Burrell Education
  • Advanced CPD in Modern Pregnancy Functional Exercise & Birth Preparation Programming, Burrell Education
  • Rektusdiastase, Diane Lee
  • MamasMitte, Katarina Woxnerud
  • Kinesio-Taping Gynäkologie
  • Osteopathie, IFAO (670 Stunden)
  • Craniosacrale Osteopathie 1-5, Akademie Dieter Vollmer
  • MOT, Manuelle Osteopathische Therapie bei Säuglingen und Kindern, Akademie Dieter Vollmer
  • Craniomandibuläre Dysfunktion und Craniofaziale Dysfunktion, CRAFTA, Harry von Piekartz
  • Manuelle Therapie nach Kaltenborn
  • Nervenmobilisation, The Sensitive Nervous System, Explain Pain, David Butler, NOI
  • Bobath für Erwachsene, Werner Münz, Fachklinik Enzensberg
  • Neuroplasticity, Fachklinik Enzensberg
  • Funktionelle Bewegungslehre
  • Systemische Physiotherapie nach Sabine Mehne
  • Fußreflexzonentherapie
  • Systemische Familientherapie Weiterbildung, IGST Heidelberg, 225 Stunden, bei Arnold Retzer und Bernd Schumacher
  • Mehrjährige Auslandsaufenthalte in der Schweiz (Kantonsspital Uri) und den USA (Health Professionals International, Saginaw, Michigan), Amerikanisches Physiotherapie-Examen
  • Langjährige Erfahrung als Physiotherapeutin in der Frauenklinik, Wochenstation und Gynäkologie (St. Hedwig-Klinik Mannheim), in Praxen als freie Mitarbeiterin und in eigener Praxis.